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MOMENTE BLEIBEN: VILLA VERDI AN DER VOLKSBÜHNE

MOMENTE BLEIBEN: VILLA VERDI AN DER VOLKSBÜHNE

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 Gestern war Premiere an der Volksbühne. Ich mag Premieren, weil ich gerne ins Theater gehe, ohne vorher etwas über das Stück zu wissen. Volles Haus, gute Stimmung vor dem Portal und dann hinein in die VILLA VERDI (Regie Johann Kresnik): It`s Showtime!. Alte Künstler verbringen in der Villa ihren Lebensabend, sind bedroht in ihrem letzten Engagement, sich selbst als Publikum ihrer nicht mehr kräftigen Stimmen, Alzheimer geplagten Textvergessenheit, müden Pirouetten, zu benutzen. Die  VILLA VERDI soll geschlossen werden. Eine wirkliche Geschichte wird nicht erzählt, sondern Biographien von mehr oder wenigen großen Künstlern, die in Erinnerungen schwelgen, sich wie bei einem Battle ihre Triumphe am Wiener Burg Theater oder Auszeichnungen in der DDR- Jochen Kowalski als Max Wallenstein holt den Kessel Buntes zurück- um die Ohren hauen, nach einem Moment künstlerischer Anerkennung kämpfen. Sie bereiten sich auf die große Gala vor, den gesunden, politischen Entscheidungsträgern zu beweisen, dass sie eine Berechtigung haben, ihre letzten Jahre in Würde und unter Gleichgesinnten zu verbringen. Mich hat sehr berührt, dass zwischen den Alten auch junge Künstler in der Villa wohnen: Aussortierte, körperlich ramponiert, wie die beinamputierte Sopranistin Nora (Sarah Behrendt) oder eine Tänzerin (Yoshiko Waki), die nichts von ihrem Zenit erzählen, weil der so plötzlich zu Ende war.

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VILLA VERDI, Sarah Behrendt und Yoshiko Waki © Thomas Aurin

Traumsequenzen und Erinnerungen leben auf. Auf der Bühne Balletttänzer wie aus dem chinesischen Staatszirkus in klassischen Kostümen zur Konserven-Musik, die in sportlicher Höchstleistung fast Retorten verdächtig Sprünge und Hebungen mit Bravour absolvieren. Ich dachte ich sitze im Zirkus: Höher-Schneller-Weiter/ Jugend-Schönheit-Kommerz und das Publikum applaudiert begeistert. Da haben wir vorgeführt bekommen, dass Bühnen-Kunst nur im Moment begeistert und Nostalgie oft ein müdes Lächeln hervorruft. Die Alten am Bühnenrand quälen sich unter dem Applaus. Ilse Ritter als Maria Janson, eine alte Dame mit Stil und Esprit, die zeigt, dass man im Alter sehr wohl noch sexy sein kann, resümiert: wenn man die Momente hatte, das Glück zu tun, wonach es einen sehnt, dann hat man wenigstens gelebt. Man kann es nicht zurück drehen, aber es war da.

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Nach der Premiere Schauspielerin Frieda Pöschel und ich

VILLA VERDI, Nächste Vorstellungen: 26.April, 3., 10., 18. Mai, 19.30 Uhr/ VOLKSBÜHNE, Am Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin, www.volksbuehne-berlin.de

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