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A MOMENT WITH: NATASCHA STELLMACH

A MOMENT WITH: NATASCHA STELLMACH

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„I don´t have a Gun“: die aktuelle Ausstellung von Natascha Stellmach. Ich habe auch keine, trotzdem gibt es Momente, wo man sich so schnell wie möglich eine Lösung wünscht, einen Weg aus Problemen, Liebeskummer, aggressivem Perfektionismus finden möchte.

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Natascha Stellmach: Smoking gun No. 5 (detail from installation) 2013, ink on paper walls dimensions variable, Courtesy WAGNER+PARTNER, Berlin

Burnout ist das Thema, dass die deutsch-australische  Künstlerin Natascha Stellmach in den Fokus ihrer Arbeit gestellt hat, die in der Galerie Wagner +  Partner zu sehen und erfahren ist. Natascha Stellmach, die u.a. durch ihre  Arbeit „Set me free: Who will smoke the ashes of Kurt Cobain?“ (2008) Aufsehen erregte, setzt sich mit diesem Thema sehr persönlich auseinander.

Bei psychischen Problemen sind es oft die kleinen Auslöser, die das Fass zum Überlaufen bringen und ein Burnout  ist eine Ansammlung vieler Indikatoren. Natascha Stellmach nähert sich dem Problem mit der Möglichkeit, etwas hinter sich zu lassen, loslassen zu können, alte Wege zu verlassen.

Private Familien-Fotografien werden von Natascha Stellmach transformiert, mit Texten und Überzeichnungen kommentiert. Fünf überlebensgroße Frauen, Natascha Stellmachs Alter Egos, sind in pink an die Galerie-Wände gezeichnet. Frauen, die sich entblößen, öffnen, mit Accessoires, wie Tattoo-Pistolen oder Küchen-Mixer präsent und gleichzeitig verletzlich sind.

Natascha Stellmach selber ist eine schmale, sensibel wirkende Frau, die vor der Ausstellungseröffnung pinkfarbene High-Heels anzieht und so ihren künstlerischen Alter Egos ähnlicher wird.

 Du hast dich in deiner Arbeit, deiner Selbsterfahrung von vielen Menschen wie Buddhisten, katholischen Nonnen, Freunden, Ärzten, Tätowierern und Liebhabern inspirieren lassen. Was haben die Menschen gemeinsam?

Sie sind alle miteinander durch eine übergreifende Idee verbunden: Mitgefühl.

Die bearbeiteten Fotografien sind Aufnahmen aus privaten Familienfilmen, wie hast du die Auswahl getroffen?

Es ist ein Rückblick auf meine Kindheit, ein Blick in die 70er Jahre. Ich habe Bilder aus verschiedenen Kindheitsepochen ausgewählt.

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Natascha Stellmach: I don´t have a gun (detail) 2013, archival ink & pen on photo paper 68 x 86cm, unique piece, Courtesy WAGNER+PARTNER, Berlin

Ich habe das Gefühl, dass deine Frauen auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam machen wollen.

Ich nenne diese Frauen „my bitches“. Sie haben alle eine innere Stärke und alle haben sie eine Imperfektion. Sie sind aber offen. In der Arbeit „I have a tattoo-machine“ hat eine von ihnen zum Beispiel ihre Hand auf dem Herzen und Visionen. Alle meine Frauen haben ein kreatives Spielzeug, dass sie wie eine Waffe benutzen. Es sind Tools, die ich selber benutze oder benutzt habe, einfache, analoge Gegenstände, wie die Luftgitarre oder die Super 8 Kamera. Die Frauen sind provokativ und eigenwillig. Sie laden dich ein: „Ich bin offen, sei du es auch.“

Natascha Stellmach 2013 I have a ghettoblaster  a pen archival ink  pen on photo paper 68 x 86cm unique piece Courtesy WAGNER+PARTNER Berlin

Natascha Stellmach: I don´t have a ghettoblaster & a pen 2013, archival ink & pen on photo paper, 68 x 86cm, unique piece, Courtesy WAGNER+PARTNER, Berlin

Treten die Frauen als Rächer auf?

Nein, sie sind keine Rächer. Sie haben Herz, sie sind nicht perfekt, aber sie haben innere Stärke. Nein, da ist keine Gewalt.

Ich finde die Frauen sexy, wie wichtig ist Sex?

Sex is Power. We are sexy. We are powerful. We have mistakes. Alle meine Frauen haben Fehler, einer ist die Brust amputiert, das hat gerade nichts mit Angelina Jolie zu tun, trotzdem sind sie schön.

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Man kann sich in der Galerie von dir ein Tattoo stechen lassen,  ein Tattoo ohne Farbe, ein Wort, ein Begriff, etwas, das man loslassen will. Warum ohne Farbe?

 Es geht nicht um das Permanente. Es geht ums Loslassen können, das Verschwinden. Bei manchen verschwindet das Tattoo nach einer Woche, bei anderen erst nach zwölf Wochen. Vielleicht hängt es davon ab, ob man loslassen will.

Du hattest selber ein Burnout.

Ja vor zwei Jahren.

Wie hast du es überwunden?

Ich habe mir Hilfe geholt von Ärzten, anderen Menschen. Es war Selbstarbeit.

Was waren die Gründe für dein Burnout?

Mein Perfektionismus.

Wie bist du da raus gekommen?

Durch die Einsicht, nicht perfekt sein zu müssen, loslassen zu können.

„I don´t have a Gun“ ist Kurt Cobain, der ja final doch eine hatte.

Der Titel ist meine persönliche Hommage an Kurt Cobain. Meine Frauen haben keine „Guns“, sie haben Spielzeuge, tragen Rollerblades und zeigen: Habt Spaß. Es geht darum zu sehen.

Merci Natascha!

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Als ich aus der Galerie rausgehe und über den Strausberger Platz laufe, denke ich weiter über Nataschas Worte nach. Welches Wort, würde ich wählen? Was will ich loslassen, in meine Haut einbrennen lassen und verabschieden? Für mich ist das Nachdenken über das bestimmte Wort ein Prozess. Ich denke, das ist ein Teil der Kunst von Natascha Stellmach. Du musst deinen Abschied selber finden.

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EXHIBITION: I DON´T HAVE A GUN

7. Juni- 20. Juli 2013

Di- Sa: 13.00- 18.00

Galerie WAGNER + PARTNER

Strausberger Platz 8

10243 Berlin-Friedrichshain

TATTOO-HAPPENING

Jeden Freitag mit Natascha Stellmach

(bitte vorher in der Galerie anmelden)

www.galerie-wagner-partner.com

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