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THE THING I AM: HALLE TANZBÜHNE BERLIN

THE THING I AM: HALLE TANZBÜHNE BERLIN

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(the thing I am, cie. toula limnaios, photo ©  Dieter Hartwig)

Tagträume in Bewegung“ verspricht der Untertitel der aktuellen Produktion „the thing I am“ der cie. toula limnaios Compangnie, die vor zehn Jahren die Halle Tanzbühne Berlin gründete, und fühle mich angesprochen.

Ich mag Tanztheater, wenn Körper sich scheinbar mühelos dehnen, ohne Worte, nur Atem ist zu hören, wenn Bewegungen, Gefühle durch den Raum dringen.

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photo © Hannes Hametner

Um Schmerz und Leidenschaft, Sehnsüchte und Abgründe soll es in dem Stück gehen. Der Abend ist ausverkauft, acht Tänzer, vier Männer und Frauen stehen in nudefarbenen Kostümen auf der Bühne. Reisegepäck liegt in der Ecke. Die Tänzer fallen zu Boden, winden sich und kreisen, ja, es ist nicht einfach aufzustehen: sie versuchen es allein, versuchen es als Paare, wer der Andere ist, scheint egal.

2013-08-01 Toula Limnaios "the thing I am"

the thing I am, cie. toula limnaios, photo © Dieter Hartwig

Die Bewegungen werden von dumpfen Tönen getrieben, die mich an Herzrasen denken lassen, es macht mir Angst, es ist die Angst vor etwas Unbekanntem, wenn Veränderungen vor der Tür stehen, die man nicht eingeladen hat.

Paare haben sich zufällig gefunden, nur für kurze Zeit. Wer wen hält oder zieht ist nicht klar. Flugzeuggeräusche verändern das Bild: Start oder Landung? Ein Tänzer verteilt die Reisetaschen. Anteilnamslos werden sie geschultert, Anzüge und Kleider geborgen. Die Tänzer werden äußerlich individueller, aber in ihren Gesten zunehmend synchroner und hektischer: Aufstehen und Fallen, und nochmal, endlich ankommen und gleich weiterziehen, Job-Nomaden, Stress, Nachtruhe, ein neuer Tag, immer weiter, bis zur Erschöpfung, bis es zu den ersten menschlichen Kollateralschäden kommt: Wahnsinn, Rebellion, Zurückbleiben bitte.

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the thing I am, cie. toula limnaios, photo © cyan

In „the thing I am“ geht es permanent um Druck: Druck von außen, Druck von innen, selbst bei kollektiver Entspannung zu Schamanen-Musik, gesellschaftlichem Druck: Jeder ist ersetzbar.

Gott sei Dank gibt es zwischendurch entspannende Momente: bei erneuten Flugzeuggeräuschen stehen die Tänzer wie Fluglotsen auf der Rollbahn oder werfen sich zu Boden, wenn der Flieger ohne sie abhebt. Oder sie werfen Tennisbälle gegen die Wand, ein leichtes Spiel, bis auch dieses in Erschöpfung kippt. Berührend, wenn zwischendurch der Wunsch nach echter Liebe zu spüren ist, sich ein Mann zu einer Frau hingezogen fühlt, um sie kämpft, sie gewinnt und dann doch bei dem Versuch, sie ganz für sich allein zu haben, wieder verliert. Die anderen Tänzer halten sich in dieser Sequenz – Gustav Mahlers: „Nun will die Sonn`so hell aufgehen“ übertreibt es – die Hände vor die Augen. Vielleicht kennen sie solche Sinnlosigkeit, vielleicht wollen sie den Neid nicht spüren?

Später wurden noch Matratzen-Straßen auf Leibern der Tänzer gebaut, vielleicht ein Bild für Schlaflosigkeit, Burn-Out, vergessene Wünsche der Nachtträumer?

Danach zerfällt die homogene Gruppe. Ein Kind wird geboren, die Mutter bleibt allein, alle sind allein, bis auf ein Paar, das sich mit I-pods und Kopfhören, grellen Masken, an Besucher des Berghains Sonntagnachmittag erinnern sie, gegenseitig antanzen und völlig aus Raum und Zeit gefallen sind.

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photo © Hannes Hametner

Der Abend war heftig für mich, aber ich mochte ihn, weil mich Ausweglosigkeit anspornt, nach dem Motto: Nein, das will ich nicht, es muss anders gehen. Bitte?! Meinem Begleiter war die Ausssicht auf einen Zustand zu wenig, er mag es mehr, wenn Menschen sich entwickeln, versuchen was zu verändern oder vielmehr, wenn es ihnen gelingt. Versuche gab es in „the thing I am“ sehr viele.

cie. toula limnaios

 the thing I am

 Tagträume in Bewegung/ Ein Tanzstück

 Nächste Vorstellungen:

 9.-11. August + 15.-18. August 2013/ 21.00 Uhr

 HALLE TANZBÜHNE BERLIN

 Eberswalder Str. 10- 11/  10437 Berlin-Prenzlauer Berg

 www.halle-tanz-berlin.de

 

 

 

 

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