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SCENTURY: PERSÖNLICHE PARFUM & DUFT STORIES

SCENTURY: PERSÖNLICHE PARFUM & DUFT STORIES

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(Esther Perbandt  © Franziska Taffelt for SCENTURY)

Es gibt Erinnerungen, die zuweilen den Duft der Begegnung, des Ortes, der Zeit zurück bringen können. Kindheit hat für mich den Geruch frisch gewaschener Bettwäsche, der erste Kuss (der was bedeutete) hatte den von dreiblättrigen Kleeblättern. Paris riecht für mich nach Pastis & Torten-Creme, dem Wasser der Seine, schwer, wie zu süßes Parfum und herb zugleich, nach angestauter Rush Hour Luft über dem Place de la République. Jeder hat seine eigenen Duft-Erinnerungen, Lieblings-Parfums, seine Art Düfte wahrzunehmen und abzuspeichern.

In dem neuen Online-Magazine SCENTURY erzählen Künstler, Designer, Schriftsteller, Schauspieler aus aller Welt ihre persönlichen Parfum-Stories, testen blind Düfte, berichten, was sie dabei empfinden. Zu den ersten, die ihre persönlichen Parfum & Duft Stories erzählen, gehören u.a. die Designerin Esther Perbandt, die Schriftstellerin Julia Zange oder die Fotografin Franziska Taffelt.

Ich habe mich mit Helder Suffenplan, dem Gründer von SCENTURY, über sein neues Projekt, die Faszination von Parfums und natürlich seinen Lieblingsduft unterhalten.

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Helder Suffenplan © Holger Homann for SCENTURY

Wie kam es zu dem Namen SCENTURY?

Einen guten Namen für ein Projekt zu entwickeln, finde ich immer sehr schwierig. So viele Dinge müssen berücksichtigt werden, unter anderem muss ja auch die Domain verfügbar sein. Am Ende muss man auf sein Bauchgefühl vertrauen und bei SCENTURY hat es einfach Klick gemacht bei mir.

Die Idee Düfte, Emotionen, Parfum zu beschreiben kann ich nachvollziehen, wie bist Du als Mann darauf gekommen, der ganzen Sache ein Online-Magazine zu widmen?

Ehrlich gesagt habe ich mir die Frage noch gar nicht gestellt, ob es ungewöhnlich ist, dass ich das als Mann mache. Aber es ist eine sehr gute Frage! Ich war schon als Kind von Parfum begeistert und das hat bis heute angehalten. Dabei geht es mir nicht in erster Linie darum, Parfums zu besitzen oder selbst zu verwenden. Mich hat immer der Kontext interessiert: Warum empfindet man in anderen Ländern andere Düfte als „sauber“ als bei uns? Hätte ein Mensch der Renaissance Chanel No.5 angenehm gefunden oder vielleicht eher abstoßend? Außerdem ist Parfum ein wunderbarer Katalysator. Es bringt verschüttete Erinnerungen Emotionen hervor. Wäre ich ein Psychotherapeut, würde ich ganz sicher Parfum einsetzen, um meine Klienten zu knacken.

Übrigens ist die Parfumbranche ähnlich wie die Modewelt nach wie vor stark von Männern dominiert. Es gibt ja auch viel mehr männliche Sterneköche. Dabei sind das Themen, die man traditionell als eher weiblich empfindet. Und es hat sicher nichts mit dem Potential und den Fähigkeiten zu tun, sondern mit Macht und damit, dass Männer sich gerne als allmächtige Schöpfer sehen. Zum Glück ändert sich das rasant und es gibt wunderbare, sehr erfolgreiche Parfumeurinnen.

Ich mache es jetzt halt umgekehrt und mache als Mann ein Parfum-Magazin – die meisten Blogs zu den Themen Duft und Beauty werden ja von Frauen gemacht. Emanzipation ist also keine Einbahnstraße.

Nach welchen Kriterien werden die Interviewpartner ausgesucht?

Bei SCENTURY sollen die Menschen über Parfum sprechen, die am besten wissen, wie man eine gute Geschichte erzählt: Schriftsteller, Designer, Künstler, Schauspieler oder Musiker. Es ist wunderbar zu sehen, dass es funktioniert und was für überraschende Stories bei den Blind Tastings heraus kommen. Der Interviewte hat ja zunächst keine Ahnung, welches Parfum ich ihm mitbringe und lässt seiner Phantasie freien Lauf. Außerdem interviewe ich natürlich nur Menschen, deren Arbeit ich schätze und mit denen ich etwas anfangen kann.

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Julia Zange © Holger Homann for SCENTURY

Wie oft gibt es ein neues Interview?

Jede Woche featuren wir eine neue kreative Persönlichkeit. Ab September kommt eine weitere Content-Kategorie hinzu, in der Insider aus der Parfumwelt erklären, was sie eigentlich den ganzen Tag so machen. Dabei geht es darum, den Entstehungsprozess eines Parfums transparent zu machen.

Wer wählt das Parfum für den Blindtest aus?

Das mache ich selbst. Ich wähle nur Parfums aus, die ich für besonders gelungen, spannend oder bedeutend halte. Es geht nicht darum, ob ich sie selber mag oder sogar tragen würde. Davon abstrahiere ich. Es sind überwiegend Düfte von kreativen Nischenmarken aber auch ganz bewusst Vintage-Parfums die überhaupt nicht mehr erhältlich sind – oder sogar Parfums, die verkannt werden, weil sie so preiswert sind. Es soll vor allem überraschend sein!

Habt Ihr vor alle kommerziellen Düfte abzudecken?

Jeder Duft, der käuflich erhältlich ist, ist in gewisser Weise kommerziell, denn der Anbieter möchte ja, dass Menschen ihn kaufen. Allerdings sind Mainstreamdüfte oft sehr uninteressant, denn sie sind der kleinste gemeinsame Nenner, der nach unzähligen Tests übrig geblieben ist. Eine kreative Handschrift ist da oft nicht mehr zu erkennen. Deswegen sind die meisten Parfums, die SCENTURY abdeckt von kleineren Marken.

Werden aktuelle und neu erscheinende Düfte vorgestellt?

Wir stellen keine Produkte vor, wie man es von einigen Blogs kennt. Das machen andere ja schon sehr gut und ich finde es nicht so interessant, über Produkte zu sprechen. Ich finde interessant, was passiert, wenn jemand das Parfum benutzt. Und die Geschichten dahinter.

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Franziska Taffelt © Volker Eichenhofer for SCENTURY

Beschreibst Du mir kurz, welchen Duft Berlin für Dich hat?

Berlin riecht sehr unterschiedlich an verschiedenen Plätzen. Ich finde 3 Dinge sehr markant: Zum einen den Braunkohlegeruch in vielen Wohnhäusern im Ostteil der Stadt. Der ist immer noch präsent obwohl die Häuser ja längst saniert wurden. Zweitens die U-Bahn. Seltsamerweise riecht das U-Bahn-Sytem in jeder Stadt anders. In Berlin riecht es zum Beispiel erdiger und weniger metallisch als in Hamburg. Das dritte ist der Lindenduft im späten Frühjahr.

Verrätst Du mir noch Deinen Lieblingsduft und was Deine erste Dufterinnerung war und ob Du in der Richtung eher traditionell/ treu bist oder Dich gern neu inspirieren lässt?

Ich kann bei der Einschätzung von Parfums von meinen eignen Vorlieben absehen. Aber natürlich gibt es solche, die mich ganz persönlich ansprechen, wo es Klick macht. Im Moment begeistere ich mich sehr für Männerparfums der 80er Jahre: Montana, Tsar von Van Cleef & Arpels oder Moods von Krizia. Die sagen sehr viel aus über die Zeit, in der sie entstanden. Aktuell verwende ich Violette Fumée von Mona di Orio und als Sommerduft Eau d’Ikar von Sisley.

Merci Helder!

SCENTURY-PERFUME STORIES

www.scentury.com

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