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BERLINISCHE GALERIE: TOBIAS ZIELONY. FOTOGRAFIEN JENNY JENNY

BERLINISCHE GALERIE: TOBIAS ZIELONY. FOTOGRAFIEN JENNY JENNY

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(Tobias Zielony, Dirt Field, aus der Serie: Trona, 2008 © Tobias Zielony)

Wenn ich die aktuelle Foto- Ausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Tobias Zielony in der Berlinischen Galerie mit einem Wort beschreiben wollte, wäre es: Sensibilität. Ich habe vorher gelesen, dass es in dem jüngsten Projekt von Tobias Zielony „Jenny Jenny“ um junge Frauen geht, die teilweise als Prostituierte arbeiten. Ich hatte meine Klischees im Kopf von direkten Porträt-Aufnahmen und eindeutigem Erkennen, was ich mir zwangsläufig unter Prostitution vorstelle. Die Serie von Tobias Zielony ist anders. Fast wie ein Film mit stehengebliebenen Bildern, mit Details und Aufnahmen von Orten, Gegenständen, die nicht eindeutig was mit der Szene zu tun haben, zum „normalen Leben“ gehören und bei mir einen eigenen Film im Kopf entstehen lassen und dadurch Empathie.

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Tobias Zielony, Schulter, aus der Serie: Jenny Jenny, 2013 © Tobias Zielony, Courtesy of Tobias Zielony and KOW, Berlin

Neben den Frauen, die fast nie direkt in die Kamera schauen, oft kaum erkennbar in der Dunkelheit von Parkplätzen oder Bürgersteigen porträtiert, sind es die Details die verschiedene Geschichten erzählen: die der Frauen, unsere, Phantasien. Trockenblumen in einer Vase, Hauseingänge in Hochhäusern, ein Spiegel mit leuchtenden Sternen- an Alice in Wonderland erinnert er mich- und ist vielleicht ein Moment, bevor das Mädchen in die Dunkelheit geht. Ein Vorhang, das Stromkabel wirkt provisorisch. Fragen kommen auf: Stehen Frauen dahinter, sitzen Freier davor, macht der Hausmeister einen Sicherheitsrundgang, schaut eine Frau vor ihrem Auftritt auf den kaputten Saum?

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Tobias Zielony, Vorhang, aus der Serie: Jenny Jenny, 2013 © Tobias Zielony, Courtesy of Tobias Zielony and KOW, Berlin

Tobias Zielony richtet seinen Blick scheinbar auf Kleinigkeiten. Ein Baum, ein Gestrüpp im Wald, vielleicht der Platz, wohin man mit dem Freier geht, vielleicht dahinter eine Notdurft verrichtet, sich ausruht, eine raucht oder eben auch am Nachmittag Beeren sammeln kann.  Durch die Serie werden die Zwischenräume fühlbar, die lange Zeit des Wartens, das Auftragen von Lipgloss, auf dem Bett liegen, die Handynachrichten checken, das Licht in der Dunkelheit suchen, wie in der Arbeit „Lightbox“.

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Tobias Zielony, Light Box, aus der Serie: Jenny Jenny, 2013 © Tobias Zielony, Courtesy of Tobias Zielony and KOW, Berlin

Man bekommt eine Ahnung was es heißen kann, stundenlang auf der Straße zu stehen. Tobias Zielony schafft es Augenblicke wie Ewigkeiten aussehen zu lassen. Die Blicke der Frauen sind nach innen gekehrt und gleichzeitig in eine unwirkliche Ferne. Das Make-Up überdeckt bei den jungen Frauen nicht mehr die leeren Blicke. Sie scheinen müde, von dem was sie gesehen haben, was sie genommen haben und ihnen genommen wurde. Es sind 39 Arbeiten.

In der 18-teiligen Serie „Trona“ (2008) porträtiert Tobias Zielony Jugendliche in der gleichnamigen Wüstenstadt in der Nähe von Los Angeles. Eine Stadt der Vergessenen. Die Industrie kaputt, wirtschaftlicher Verfall, Menschen bleiben, weil sie bleiben müssen, sie bleiben mit der Droge Crystal Meth und der Wüste, mit ihrem besonderen Licht. Das Nichts scheint der Begleiter der Bewohner von Trona zu sein.

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Tobias Zielony, Two Boys, aus der Serie: Trona, 2008 © Tobias Zielony

Tobias Zielony beobachtet, er scheint nicht zu stören. Ich habe das Gefühl, nachdem er fotografiert hat, ist die Kulisse die selbe geblieben, die Menschen auch, nichts ist passiert.

Zitat: „ I hate it here. There is nothing. There is bushes and dirt. There is nothing to do.“

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Tobias Zielony, Ramshackle, aus der Serie: Trona, 2008 © Tobias Zielony

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photo © hannes hametner

BERLINISCHE GALERIE

TOBIAS ZIELONY

FOTOGRAFIEN JENNY JENNY

bis 30. September 2013

Mittwoch-Montag 10:00-18:00

(Dienstag geschlossen)

Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin-Mitte

www.berlinischegalerie.de

 

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