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A MOMENT WITH: BASTIAN CASARETTO

A MOMENT WITH: BASTIAN CASARETTO

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Mir ist wieder aufgefallen, wie gerne ich über den Kudamm spaziere. Geschwindigkeit und Esprit erinnern an die Oxford Street in London, Rue de Rivoli in Paris oder Newski Prospekt in Sankt Petersburg. Ich bin mit Bastian Casaretto verabredet. Einer der sich voll und ganz der Beauty-, der Welt des Hair-Stylings verschrieben hat. Bastian Casaretto ist Artistic Director von Aveda Deutschland, Österreich, Schweiz und des Aveda Insituts Berlin. Er ist viel unterwegs: Paris, London, New York, kreiert das Hair-Styling für Designer & Shows, wie für Patrick Mohr, Augustin Teboul oder GANT, organisiert Events & Messen, dazu das day to day-Business.

Aveda

Um so mehr bin ich überrascht, was für eine ruhige und lockere Ausstrahlung Bastian Casaretto hat. Er begrüßt mich im Aveda Lifestyle Salon & Spa Berlin und bietet mir einen Comforting Tea an. Wir setzen uns, wie sollte es anders sein, auf zwei Friseurstühle und können durch die Terrassenfenster auf den Charlottenburger Horizont sehen. Wir unterhalten uns darüber, was ihn seit zwei Jahrzehnten am Hair-Styling fasziniert, welchen Trend er auf keinen Fall mitmachen würde oder was er davon hält, sich bei Liebeskummer einer totalen Haarveränderung hinzugeben.

Wie hat Dein Umfeld auf Deinen Berufswunsch reagiert?

Das war zweigeteilt. Ich komme aus Viersen, einem kleinen Dorf an der holländischen Grenze. Mein Vater, der auch Friseur war, meinte am Anfang, lerne etwas Vernünftiges, war dann aber schnell davon überzeugt und hat mich verstanden. Meine Freunde haben es nicht so ganz verstanden.

Wie alt warst Du als Du zu Vidal Sassoon nach London gegangen bist?

Siebzehneinhalb.

Wie war es als so junger Mensch, in eine Big-City wie London zu kommen?

Das war toll. Wie sagt man so schön: mind opening. Der Anfang war schwer, mein Englisch war nicht der „Kracher“. Es war ein learning by doing. Friseure sind auch sehr offene Menschen. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und behütet.

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Creating the look, Bastian Casaretto for Aveda, TOP HAIR 2012 Collection, photo © Caroline Scharff

Seit 2008 machst Du mit dem Aveda-Team Hairstyling auf den Fashion Weeks in Berlin, New York, Paris, London. Wo ist der Unterschied zu einem normalen Arbeitstag?

Haare sind Haare. Aber das Zeitfenster ist anders. Auf einer Fashion Week kann man sich keine Verspätungen erlauben. Da müssen in zwei bis drei Stunden bis zu 30 Modelle fertig werden. Man muss sehr eng mit dem Team zusammenarbeiten, damit der Look am Ende gleich aussieht. Das ist schwierig, jeden Haartyp gleich aussehen zu lassen. Aber ab und an bin ich im Vorfeld schon bei den Model-Castings dabei.

Du machst als Artistic Director auch viele Mitarbeiter-Seminare, Schulungen, Marketing, bist also sehr ins Business involviert. Was bedeutet Dir dieser Teil der Arbeit?

Früher hat mich das eher weniger interessiert. Aber meine Arbeit bei Aveda hat mir gezeigt, wie wichtig dieser Aspekt ist. Kreativität braucht Geld und Verständnis dafür, was möglich ist. Zum Beispiel, wenn ich überlege, ob wir mit Aveda eine Show auf der Paris Fashion Week stemmen können. Alle Aspekte werden abgewogen. Gerade haben wir zwei Shows auf der Pariser Fashion Week gemacht und in London die Adidas by Stella McCartney Show.

Siehst Du Unterschiede zwischen der Berliner Fashion Week gegenüber den anderen Metropolen?

Jede Fashion Week hat ihre Berechtigung. Berlin braucht auch keine großen Namen. Nach Berlin kommen die Trend-Scouts um “edgy trends” zu suchen. Berlin ist für junge Designer ein kreativer Pool, so ähnlich wie London es auch einmal war. Jetzt ist London groß geworden. Oft will Berlin wie die anderen Städte sein, ist aber dirtier, edgier, rougher. Und das ist auch gut so. Vielleicht ist das Zelt am Brandenburger Tor nicht der richtige Platz. Vielleicht würde eine andere Location den Unterschied mehr unterstreichen, so was ähnliches wie in Milano der Palazzo, könnte in Berlin z.B. der Pariser Platz sein. Nach Berlin kommen die jungen Leute. Berlin ist nicht so teuer und hier können sie Sachen bewegen, Mode und Kunst machen, Geschäfte eröffnen. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Berlin ist die geilste Stadt der Welt. Da müssen wir auch nicht traurig sein, dass sich Marken wie Boss lieber in Asien präsentieren. Das Verständnis dafür habe ich, denn wer Business machen will, muss jetzt nach Asien gehen.

Fashion Week Berlin_Bastian Casaretto with model for GreenSHOWROOM_photo Caroline Scharff

Fashion Week Berlin Bastian Casaretto with model for GreenSHOWROOM, photo © Caroline Scharff

Wie wichtig ist Teamarbeit?

Sehr. Sonst funktioniert gar nichts.

Ein Highlight Deiner Arbeit?

Ich habe gerade in Paris Karl Lagerfeld beim Shoppen gesehen. Nein, im Ernst ein Highlight war meine erste Veröffentlichung in einer Zeitschrift, ich glaube in der TOP HAIR, das war 2004 oder 2005. Meine Mum hat es gesehen und mich sofort angerufen. Meine Mutter war sehr stolz. Das war ein Highlight.

Bist Du bei Aveda noch selbst an der Kundin?

Ja, und damit höre ich auch nicht auf. Das ist super wichtig, egal wie viele Seminare oder Fashion-Shows man macht. Man darf den Bezug zum Gast nicht verlieren.

Hast Du bei den Fashion-Shows noch einen Adrenalin-Schub?

Es ist immer aufregend. Wenn das nicht mehr wäre, sollte man vielleicht aufhören. Wenn man sich zu 120% sicher ist, dann ist man falsch am Platz.

Welche Berliner Designer magst Du?

Frida Weyer macht tolle Kleider für Frauen und LaLa Berlin super schöne Accessoires, Tücher und erst die Kleider.  Von Patrick Mohr mag ich die Ledersachen sehr, aber auch die Shirts und Sneakers, die er kürzlich für Reebok gemacht hat. Michalsky für Männer finde ich auch gut. Heute habe ich sogar eine Lederjacke von ihm an.

Fashion Week Berlin_Bastian Casaretto styling the model for Frida Weyer showto Caroline Scharff

Fashion Week Berlin, Bastian Casaretto styling the model for Frida Weyer show, photo © Caroline Scharff

Was ist ein glücklicher Moment für Dich?

Da gibt es ganz viele. Wenn eine Show gut geklappt hat und der Designer geht im Applaus raus. Oder wenn unsere Aveda Gäste happy sind und man bekommt danach eine Dankeschön-SMS. Privat ist das auch ein gutes Essen bei einem Glas Wein.

Was hast Du beruflich weiterhin vor?

Ich würde sehr gern mehr in Paris machen oder in Milano, z.B. eine Show für Meissen Couture. Wahnsinn, wie sich Meissen in eine High-Class Marke entwickelt und Handwerk wie Kunst wieder hat aufleben lassen. Mein Lieblingsfilm ist ja „In 80 Tagen um die Welt“ und von Meissen Jewellery gibt es so eine Weltkugel handbemalt als Kettenanhänger. Die hätte ich gern.

Was fasziniert Dich an Haaren?

Mit Haaren ist alles möglich. Ein „Werkstoff“, der nachwächst und in Farbe und Form gebracht werden kann.

Sind Färbungen angesagt?

Wenn man es unter dem Oberbegriff Färben laufen lässt, gibt es zwei Trends. Zum einen es sehr natürlich aussehen zu lassen, d.h. weg von den Foliensträhnchen. Es sieht eher wie gemalt, sanft aufs Haar gelegt aus. Das Haar braucht dazu tollen Glanz. Der andere Trend ist, dass auch stark gefärbte Haare, wie in Kupfer oder Blond zu sehen sind. Das Solide kommt zurück. Bei langen Haaren ist es eher der natürliche Look und bei kürzeren Haaren, der solide Look.

Ich habe das Gefühl, dass bei den Frisuren die 80`s zurück kommen?

Eher die 90er. Ich denke da an Calvin Klein und seine Werbung für ck one. Da geht es um natürliche aber veredelte Schönheit der Haare. Keiner hat heute mehr die Zeit, stundenlang seine Haare zu machen. Klar, wenn man ausgeht, kann man das machen. Aber im Alltag geht es darum, natürlich schön zu sein. In den 80ern und 90ern gab es einen Look. Das 21. Jahrhundert sollte allerdings mehr als einen Look zu bieten haben. Das Verständnis gegenüber Haarprodukten ist heute ein ganz anderes. In meiner Punk-Zeit konnte ich mit meinem Aldi-Haarspray unter die Dusche gehen. Solche Produkte, wahre Sprühkleber, gibt es Gott sei Dank nicht mehr… höchstens für den Theaterbedarf.

Deine Lieblingsepoche, wenn es um Styling und Fashion geht?

Das wechselt von Jahr zu Jahr. (lacht) Momentan sind es die 30er. Jeans finde ich toll, aber Mann könnte auch mehr Anzüge oder auch Drei-Teiler tragen. Man fühlt sich anders.

Bastian Casaretto getting the last touch for the models of Frida Weyer_photo Caroline Scharff

Bastian Casaretto getting the last touch for the models of Frida Weyer, photo © Caroline Scharff

Was ist Berlin für Dich?

Die einzige Stadt, wo ich in Deutschland leben möchte.

Okay und außerhalb von Deutschland?

Beruflich würde ich gern in den nächsten zehn, zwanzig Jahren in Tokio sein. Da passiert viel. Also wenn dann richtig. Im Alter irgendwann mal hätte ich gern ein Haus in Südfrankreich oder eine Ranch in Australien. Das Meer muss in der Nähe sein. Frankreich, weil ich Lavendel liebe und Australien, weil ich surfen kann. Aber nicht auf der Sidney Seite, lieber oberhalb von Perth. Im Alter etwas ruhiger.

Ist was dran an dem Gerücht, dass Charlottenburg wieder Trend ist?

Charlottenburg ist toll, der Savignyplatz, der Kudamm, das sind alles alt gewachsene Strukturen mit viel Eleganz und Substanz. Ich sehe den Trend positiv.

Wie sieht ein freier Tag bei Dir aus?

Ab und an habe ich einen. Es sind nicht so viele. An solchen Tagen mag ich es, für mich oder mit Freunden zu sein. Ich koche, bade, liege auf dem Sofa, sehe einen Film und „streune“ durch Berlin. Ich mag es, in Cafès zu sitzen, die Leute anzuschauen. Berlin verändert sich ständig.

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Ein Trend, den Du nicht mitmachen würdest?

Dauerwelle aus den 80ern mit Blondierung.

Magst Du den Berliner Haar-Look?

Ja, für über die Woche. Am Wochenende fürs Weggehen, könnte es etwas schicker sein.

Wie wichtig ist die Frisur beim Gesamt-Look einer Frau?

Wichtiger als alles Andere. Man kann sie nicht ständig ändern. Haare kann man nicht mal einfach so schnell wechseln, wie Styling-Accessoires.

Was hälst Du davon, bei Lebensveränderungen die Frisur komplett zu ändern?

Manchmal ist es eine gute Sache, manchmal sollte man es vielleicht langsamer angehen. Also 50/50. Manchmal sind ja Trennungen nicht für immer. Meiner Meinung nach sollten Veränderungen immer von einem selber ausgehen, nicht von Lebenssituationen.

Einen Tipp für gesundes Haar?

Ein guter Friseur, der einen berät. Jeder Haartyp ist unterschiedlich und braucht eine andere Kombination von Pflegeprodukten.

Was ist Schönheit für Dich?

Schön kann fast alles sein: Momente, eine Blume, etwas, das von der Norm abweicht, ein Lächeln, strahlende Augen.

Und Glück?

Mit sich selber im Reinen zu sein. Hinter den eigenen Handlungen zu stehen, zu wissen “das bin ich”. Gesund zu sein.

Merci Bastian

 

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