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A MOMENT WITH: JUST LOOMIS

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Es ist ein Sonntag-Vormittag, an dem ich mit dem amerikanischen Fotografen Just Loomis im Cafe Bravo verabredet bin. Überraschend angenehm ist es draußen, der laue Wind weht Getränkekarten vom Tisch und erinnert an einen Tag am Meer. Ich freue mich auf das Gespräch mit Just Loomis, dessen Ausstellung „Women“ am 9. November in der Berliner Galerie Hiltawsky eröffnet wird. Ich finde es interessant, dass sich Just Loomis, der in den 80er Jahren mit Helmut Newton zusammen arbeitete, über fünfzehn Jahre erfolgreich für internationale Fashion-Magazine tätig war, letztendlich aus der Mode-Welt zurück gezogen hat. In seinen Arbeiten ist er auf der Suche nach dem Nicht-Perfekten. Die Serie „Women“ ist über den  langen Zeitraum von 1986- 2013 entstanden.

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Backstage Paris, 2007 © Just Loomis, courtesy galerie hiltawsky

Es sind Frauen zu sehen, die keine Scheu vor Nacktheit im Blick oder des Körpers haben. Frauen, die etwas erzählen können oder wollen, nicht ganz klar, ob sich selbst, dem Fotografen oder zukünftigen Betrachtern. Frauen in vertrauter Umgebung, mal mit Freunden, als Kellnerin, schüchtern im Strickpullover, mit schönem Körper kokettierend oder scheinbar unbeobachtet.

Just Loomis kommt im schwarzen Mantel, bestellt sich einen Kaffee, freut sich, dass wir draußen sitzen. Für einen kurzen Moment sammelt er sich, bevor wir uns über seinen Blick auf Frauen, den Rückzug aus der Mode-Fotografie, direkte Blicke ins Objektiv und das subjektive Spiel der eigenen Betrachtung unterhalten.

Suchst Du die Frauen, die Du fotografieren möchtest oder sind es Zufalls-Begegnungen?

Ich suche immer einen Typ, ein Individuum. Ich sehe etwas in ihnen, fühle etwas. Es können Frauen sein, mit denen ich eine bestimmte Art von Beziehung habe. Die Serie „Women“ habe ich über einen langen Zeitraum gemacht, sie zeigt die Zeit. Die Arbeiten, die ich ausgewählt habe, sagen etwas über die Frauen und mich aus. Charakter, Eigenschaften sind wichtig. Wie interessant sind sie. Es geht immer um Qualität. Emotionale Erfahrungen finde ich besonders. Erfahrungen die man zusammen macht. Es geht darum, die Frau zu sehen.

Arbeitest Du nach Plan? Eine Deiner anderen Serien heißt „Servers“. Nimmst Du Dir vor, mal eine Kellnerin, Freundin oder Model zu fotografieren?

Die Serie „Servers“ heißt bewusst so. Servers ist kein schönes Wort. Ich interessiere mich sehr für Frauen, ihre Probleme. Wie bedienen Frauen heutzutage Männer, was sind die Intentionen. Es geht um die Geschichte von Frauen, Rechte und Positionen. Meine Ausstellung hat ein wenig davon in sich. Bedienen ist nicht gleich bedienen. Niemand sollte jemand anderen bedienen. Das ist die Frage, die sich stellt. Die Kellnerinnen denken über das Wort nicht nach. Es ist ein Job, es gibt Trinkgeld. Wir sehen es mit dem Blick von außen. Wir sind diejenigen, die eine zweite Ebene hineinbringen, eine zweite Möglichkeit das Wort Servers zu lesen. Es ist interessant, was wir in die Bilder hineinbringen, wenn wir sie ansehen. Wir können uns Bilder kaum ohne eigene Gefühle ansehen, betrachten die Modelle als ein Objekt. Es geht um emotionale Schönheit. Jede Frau hat etwas davon.

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Yankee Doodle, Santa Monica, 2004 © Just Loomis, courtesy galerie hiltawsky

Du warst über 15 Jahre erfolgreich in der Mode-Fotografie. Bist du deswegen auf der Suche nach der Realität?

Ja. Die Fashion-Szene in den 80ern, diese riesigen Haare, das Make-up, das ganze Verhalten. Ich konnte so nicht weiter machen. Es war furchtbar. Ich musste eine Pause machen. Ich nahm eine kleine Kamera und machte 1984 ein Foto von meiner Freundin Karen in einem Hotel. Das war für mich der Beginn nach etwas Echtem, Realem zu schauen. Natürlich liebe ich die Fashion-Welt. Aber ich hatte nicht die Persönlichkeit, länger dort zu bleiben.

Oft geht es in der Mode-Fotografie darum, das Image eines Labels mithilfe von Gamour und Emotionen zu transportieren. Wolltest Du wirkliche Sehnsüchte frei von Konsum fotografieren?

Ja, das war ein Gedanke für die Entscheidung. Ich wollte frei davon sein. In der Ausstellung „Women“ geht es um Schönheit, nicht um populäre Schönheit. Ich stimme mit der Art, wie Mode-Magazine Gefühle transportieren, nicht überein. Ich habe stärkere Gefühle. Mode ist sehr kalkuliert, es geht immer darum, den Treffer zu haben, dass es sich am Markt verkauft. Jeder fragt, ist es modern und keiner weiß genau, was damit gemeint ist. Ich bewege mich von der Mode-Periode weg.

Manche Deiner Arbeiten wirken nicht wie zufällig entstanden. Es gab eine Verabredung. Haben sich die Frauen selber inszeniert oder hattest Du eine Vorstellung, wie Du sie fotografieren wirst?

Ja, bei manchen gab es eine Verabredung, wie zum Beispiel mit meiner Frau oder Freundinnen. Bei den Kellnerinnen ist es Zufall. Es geht immer darum, sich zu treffen, zusammen zu finden. Alles was ich kenne, ist der Charakter, die Ausstrahlung der Person. Es geht darum, was ich durch ihre Augen, Körpersprache sehen kann. Manchmal bringen die Modelle ihre Schwester, besten Freund oder Freund mit. Ich mag das sehr. Ich mag Beziehungen zwischen den Menschen.

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Alice and Nikki, Chateau Marmont, Hollywood, 2012 © Just Loomis, courtesy galerie hiltawsky

Viele der Arbeiten sind im privaten Umfeld der Frauen entstanden?

Die meisten Arbeiten sind im privaten Umfeld entstanden, andere draußen.

Oft gibt es den direkten Blick zu Dir. Die Frauen schauen Dich an. Es ist keine beobachtende Fotografie. Geht es dabei um den erzählenden Blick der Frauen, dass sie für einen Moment ihre Wünsche, Geschichte an Dich richten?

Es geht um ihre Geschichte und ich bin an dieser interessiert. Ich möchte nicht meine Geschichte erzählen. Ich versuche, etwas über sie herauszufinden. Es geht um ihre individuelle Geschichte.

Viele Frauen, sind sehr sinnlich, nackt, mit Sexappeal, haben eine Bluse, Bademantel, Jacket an, wie flüchtig übergeworfen und schauen Dich direkt an: Ist es ein erotisches Spiel?

Es ist ein Spiel. Das heißt nicht, dass es dabei um Sex geht. Ja, es hat ein bisschen was von einem Spiel. Ich mache das Foto, um meine Gedanken zu vervollständigen. Wir sind alle so, wer das ignoriert liegt falsch. Wichtig ist die Qualität der Person. Auf einem Foto zeigt eine Frau ihre Brüste. Fakt ist, dass sie sehr stolz auf ihre Brüste war und sie zeigen wollte. Als Betrachter des Fotos kann man denken, dass ich das so wollte. Nein sie wollte das. Darum geht es bei den Arbeiten, auch darüber nachzudenken, was man als Betrachter selber in das Bild bringt.

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Interior, Santa Fe, New Mexico, 1997 © Just Loomis, courtesy galerie hiltawsky

Die Frauen sind größtenteils jung, warum?

Ja das stimmt. Wenn du dir Gemälde in Museen anschaust, gehören Schönheit und Jugend zusammen. Ich fotografiere was für mich in einer bestimmten Zeit wichtig ist. Kinder, Kellnerinnen, Frauen, Models, Frauen-Typen, die echt sind. Ich habe auch meine Mutter fotografiert. Alles braucht eine Linie.

Empfinden es die Frauen als Kompliment, wenn Du sie fotografieren möchtest?

Ja natürlich. Das ist für jeden toll, wenn er gefragt wird, ob man ihn fotografieren darf. Wir wollen alle beachtet werden und Aufmerksamkeit. Das ist eine schöne Sache.

Haben sich die Frauen, seit Du in den 80ern mit der Serie „Women“ begonnen hast, verändert?

Was denkst du darüber, du bist eine Frau, was denkst du?

Ich denke, es ist leichter geworden.

Ja, ich glaube es ist besser. Aber wir sind, was wir sind. Wir alle leiden. Das Leben ist das Leben.

Wo liegt der Unterschied zwischen Frauen und Männern, wenn Du sie fotografierst?

Ich suche immer das Selbe, deshalb arbeite ich auch mit Männern. Das ist eine sehr einfache Art. Aber mir hat vor kurzem jemand gesagt: „Du suchst nach deiner Mutter“. Das stimmt, absolut jeden Tag. Das ist ein nicht aufhörender Druck. Es ist wie eine Sehnsucht.

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Ein glücklicher Moment für Dich?

Wenn die Dinge, verschiedene Bereiche zusammen kommen. Liebe, Beziehungen, Kinder. Das kann eine Fotografie sein, oder wenn man bemerkt, dass eine Freundschaft besonders ist. Ja es sind vier Sachen: Liebe, Arbeit, Freundschaft, Familie. (Just Loomis wiederholt es, keine der vier Sachen steht an erster Stelle, es ist ein Kreis) Liebe, Arbeit, Freundschaft, Familie. Es passiert nie gleichzeitig.

 Merci Just

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Rea, New York, 2005 © Just Loomis, courtesy galerie hiltawsky

 JUST LOOMIS: WOMEN

ERÖFFNUNG: 9. November 2013, 18.00, Just Loomis ist anwesend

13. November 2013- 11. Januar 2014

 galerie hiltwasky/  Mi- Sa: 14.00- 18.00

Tucholskystrasse 41/  10117 Berlin-Mitte

 www.hiltawsky.com

 www.justloomis.com

 

 

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