MOMENTE AUS KUNST, FOTOGRAFIE, MODE, BERLIN & ANDERSWO

A MOMENT WITH: MARIA IMANIEL

A MOMENT WITH: MARIA IMANIEL

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Die Künstlerin Maria Imaniel beschreibt ihre Malerei als temporary pornographic art. In großflächigen Bildern zeigt sie Menschen oft beim Sex, manchmal mit Liebe, mit Einem oder Mehreren, in Traumsequenzen oder visionär, mit Humor und Direktheit. Maria Imaniel ist eine schöne Frau, die es liebt, ihre künstlerische Freiheit neben der Malerei auch als Schauspielerin und Sängerin auszuleben. In Photo-Art Projekten wie „HeArtbreaker“ oder „Bambi“ inszeniert sie sich mal als Vamp, selbstbewusste Frau oder schutzbefohlenes Mädchen, dass sich zu wehren weiß.

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Maria Imaniel, Photo Art, aus der Serie „HeArtbreaker“

Maria Imaniel kann gut Zuhören und sehr laut lachen, dass man Lust hat die Pointe in mehreren Variationen von sich zu geben. Vor sieben Jahren ist Maria Imaniel von Oberbayern nach Berlin gezogen. Der Umzug war der Weg in ihr eigenes Künstler-Leben. Ich treffe sie in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg. An den Wänden hängen die Original-Bilder. Sie sind imposant, ihre Farbigkeit lässt mir Zeit, den Moment abzuwarten, wann ich sie mir im Detail anschauen will. Maria Imaniel macht uns einen frisch gepressten Orangensaft. Nebel macht es unmöglich, Berliner Horizont auszumachen. Ich wollte von Maria Imaniel wissen, wie sie auf die Idee gekommen ist Sex im Detail zu malen, wie wichtig Selbst-Inszenierung ist, wann ein Mann interessant ist und was Berlin ihr ermöglicht hat.

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„Woman“, 220 cm x 160 cm, oil and leaf gold on canvas, Maria Imaniel

Bist Du Autodidaktin?

Ja und nein. Ich habe in München eine Ausbildung als Vergolderin gemacht und für renommierte Firmen gearbeitet, aber eher im Handwerksbereich. Nein, Malerei habe ich nicht studiert.

Du bist Malerin, aber auch Schauspielerin und Sängerin eigentlich selber ein Kunstwerk. Was ist für Dich der wichtigste Teil?

Das ist eine schwierige Frage. Das eine geht nicht ohne das Andere. Das Malen gibt mir Energie fürs Singen, Bilder haben gleiche Titel wie Songs. Ich könnte nicht auf eins verzichten. Die Malerei stärkt die Musik und umgekehrt.

Gehört Selbst-Inszenierung dazu, um erfolgreich zu sein?

Ja. Bei Ausnahmen funktioniert es auch ohne. Ecken und Kanten sind wichtig, das hat mehr Erfolgsaussichten. Es geht darum eine Geschichte zu haben, etwas zu machen, was nicht der Norm entspricht.

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Du bist  schön, blond, sexy. Ist das Teil des Plans?

Fotos auf denen ich nicht gut aussehe, würde ich nicht zeigen. Ich zeige mich, wo es passt. Zum Schluss zählt die Ästhetik, darauf achte ich.

Was hat es mit der Foto-Serie „Bambi“ auf sich?

Bambi ist der Begriff für ein kleines Kind, männlich oder weiblich, das gejagt wird. Wer Bambi etwas antut, ist der schlimmste Mensch. Auf den Fotos bin ich ein Mädchen mit Kindchenschema, dass sich wehren kann. Etwas von Bambi wird es immer in sich haben.

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Maria Imaniel, Photo Art, aus der Serie „Bambi“

Hast Du künstlerische Vorbilder?

Viele.

Arbeitest Du strukturiert?

Total.

Deine Bilder sind bunt. Es geht um Sex. Wieso malst Du gerade solche Bilder?

Ich wäre nicht ich, wenn ich Obst malen würde. Sex ist ein Stilmittel. Mit vierzehn, fünfzehn habe ich angefangen nackte Frauen zu zeichnen, warum weiß ich nicht. In meiner Ausbildung als Vergolderin hatte ich viel mit Ornamenten zu tun und gemerkt, das kann es nicht gewesen sein. Dann wollte ich große Bilder malen. Mit 24 habe ich damit angefangen. Ich weiß nicht genau wieso. Mein erstes großes Bild war eine Frau auf einem Tresen mit einem Mann, der sie nimmt. Es ging um Sex, nicht um Perversion. Das Thema war einfach da. Bevor ich anfange zu malen, weiß ich, wie das Bild heißt, sehe die Figuren, die dabei sind. Ich muss es in die Realität raus malen.

Und warum hast Du Dich auf malerische Pornographie fokussiert?

Verfickte Kunst. Ich kann mich selbst auf die Schippe nehmen. Meine Bilder sind modern. Ich mache keine Salonmalerei, auch keine fotografische Malerei. Contemporary trifft es am besten. Der Unterschied zwischen Sex und Pornograhie ist, wie viel man sieht, wie es dargestellt wird. Auf meinen Bildern sieht man Genitalien.

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„I am a lady“, 180 cm x 120 cm , oil, acrylic, leaf gold and fluorescent color on canvas, Maria Imaniel

Wie wichtig ist Sex?

Sex ist glaube ich, eine der wichtigsten Sachen, dass hängt aber auch von der Lebenssituation ab.

Hat Sex was mit Liebe zu tun?

Nein, nicht unbedingt. Stell Dir vor, man könnte nur Sex haben, wenn man verliebt gewesen wäre.

Geht es in deinen Bildern auch um Liebe?

Ja. Sex. Love. Pornography. Da ist auch mal ein Tick Liebe dabei, wie bei dem Bild „Kiss“.

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„Kiss“, 180 x 120 cm, acrylic, oil, pigment and leaf gold on linen, Maria Imaniel

Kann man lieben ohne Sex?

Klar kann man das. Ich glaube für viele Paare, die seit Jahren zusammen sind, ist der schützende Alltag, Geborgenheit wichtig. Gewohnheiten sind da und werden wichtige tägliche Rituale.

Auf manchen Bildern wie z.B. „Sick Society“ sind Orgien zu sehen. Geht es um Dekadenz?

Es geht genau darum. Um Wohlstand, das Geld raus zuschmeißen. Die Menschen auf dem Bild haben immer Sex, sind so in ihrem Reichtum, dass sie nicht mehr merken, was die Realität ist.

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„Sick Society“, 160cm x 230cm oil, leaf gold and leaf silver on canvas, Maria Imaniel

Was ist denn krank an der Gesellschaft?

Das haben, haben, haben wollen. Die Verschlossenheit gegenüber Anderen. Das Verschwenderische finde ich krank. Wir sind so, dass wir ohne dem kaum können.

Auf Deinem Bild „Mr. Glass“ stehen die Frauen für einen Mann Schlange. Geht es um Optionen?

Humor ist wichtig. Ich habe mich selber über den Penis aus Glas kaputt gelacht. Wir alle stehen Schlange, aber die Emanzipation lässt das ja eigentlich nicht mehr zu. Das Bild hat eine nette Ironie. Die Gesellschaft sagt ja, dass der Mann die Frau erobern muss. Den Zwiespalt finde ich spannend.

Glaubst Du an die Monogamie?

Nein.

Bei einigen Bildern hatte ich den Eindruck, dass die Figuren nicht ganz bei sich sind, sie werden von anderen beobachtet oder haben Visionen. Fehlt uns die innere Ruhe?

Wir lassen uns leicht ablenken und innere Ruhe fehlt uns. Ich male oft Augen, für die Leute die glotzen, wenn etwas anders ist, nicht der Norm entspricht. Ja, es geht ums beobachtet werden.

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„Russian Tiger“, 200 x 170 cm, acrylic, oil, pigment and leaf gold on linen, Maria Imaniel

Die meisten Figuren sind top in shape. Wie wichtig sind Dir Äußerlichkeiten?

Obwohl ich seit meiner Jugend male, bin ich noch am Beginn. Was entsteht ist interessant. Ich weiß nicht, wie es sein wird, wenn ich 50 oder 60 bin. Aber jetzt stehe ich am Anfang. Die Körper werden sich mit Sicherheit verändern. Ästhetik ist mir wichtig.

Wie viel Maria steckt in Deinen Bildern?

Das bin ich komplett, mein Humor. Humor und Sex sind ganz wichtige Sachen, die zusammen gehören.

Arbeitest Du mit Modellen?

Nein, leider. (lacht sie)

Glaubst Du an die Liebe?

Total. Jeder Mensch. Wer nicht daran glaubt, wurde verletzt oder hat aus Enttäuschung eine Mauer um sich gebaut.

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Was sind die Waffen der Frauen?

Immer noch die selben, wie vor tausenden von Jahren. Eine Frau kann immer mit Ausstrahlung, Lachen, Offenheit, mal wieder Humor überall gut ankommen. Es geht nicht nur ums Aussehen. Wenn eine Frau ein toller Kerl ist, ist das ihre stärkste Waffe.

Sind wir unabhängig von Männern?

Unabhängiger ja. Ganz unabhängig nein.

Brauchen wir Männer?

Ja, total.

Haben Männer Angst vor Dir?

Hatten sie früher schon. Auch als ich noch nicht gemalt habe. Das erlebe ich immer wieder, dass sie nicht wissen, wie sie mich einordnen sollen.

Wann ist ein Mann interessant für Dich?

Wenn er selbstbewusst ist.

Bist Du traditionell?

Ich habe traditionelle Wurzeln. Ich komme aus dem Chiemgau in Oberbayern. Aber nicht ausschließlich, dann wäre ich dort geblieben. Liebe, Kultur, Tradition ist überall, in Kleidung oder Trachten. Das sind Inspirationen.

Was ist in Berlin möglich?

In Berlin habe ich mich selbst gefunden. Hier ist künstlerische Freiheit möglich. Ein Ort zum Kreieren, Erschaffen. Man kann sich hier unglaublich frei fühlen. Für Künstler ist die Stadt eine gute Grundlage zum Starten, aber man kommt nicht zu Geld, die meisten nicht.

Wie feierst Du Weihnachten?

Wenn ich ehrlich bin, war mein schönstes Weihnachtsfest, als ich alleine war, mit mir im Einklang und glücklich darüber, alles ausleben zu können. Aber normalerweise habe ich am 25. Geburtstag. Bei der Bescherung wird auf null Uhr gewartet, um anzustoßen. Weihnachten ist Geburtstag.

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„Morning Sun“ , 90 x 60 cm, oil, acrylic and leaf gold on canvas, Maria Imaniel

Magst Du den Dezember?

Nein, den Januar auch nicht. Ich sehne mich nach Sommer und liebe die Sonne. Deutschland ist schon ein kaltes Land. Vielleicht will ich irgendwann im Süden leben.

Merci Maria

www.mariaimaniel.com

(photos © WAIT A MO)

1 Comments on “A MOMENT WITH: MARIA IMANIEL

  • maria ist zwar nicht die mutter maria, aber dies zum glück, und wirklich eine tolle kluge ungewöhnliche frau.

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