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COEN BROTHERS: INSIDE LLEWYN DAVIS

COEN BROTHERS: INSIDE LLEWYN DAVIS

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Verlierer sind oft ein Thema der Coen Brothers. Ich war irritiert, als ich „A Serious Man“ (2009) gesehen habe, wo der Hauptdarsteller von einer Katastrophe in die nächste rutscht: Frau weg, Verschuldung, Erpressung, beruflicher Absturz, emotionslose Kinder und ich dachte, schlimmer geht’s jetzt auch nicht mehr. Schlimmer geht’s immer. Spätestens wenn der rauchende Arzt anruft und sagt, dass man dringend vorbeikommen muss, das Lungenröntgenbild wäre da. Ich denke oft an „A Serious Man“ und weiß, dass man dankbar sein kann, für das was man hat, Hauptsache man lebt, so oder ähnlich.

„Inside Llewyn Davis“ ist auch ein Film aus der Verlierer-Kategorie. Llewyn Davis (Oscar Isaac) ein Folk-Musiker, wie viele in den 60ern, der auf den Durchbruch hofft. Einer, der nicht nur existieren will, wie sein Vater, der im Pflegeheim wartet. Einer, der denkt, dass er es schaffen kann, weil er keinen Bock auf das normale Leben hat. Das Künstlerleben in seiner erfolglosen Alltäglichkeit: Schlafen auf fremden Sofas, zufälliger Beischlaf mit vergebenen Frauen, an Liebe traut man sich nicht zu denken, was kann man schon bieten. Auftritte in kleinen Clubs mit den immer gleichen Abmoderationen, Konkurrenz und Unverständnis, dass ein anderer ohne viel Hirnfaktor und Null Charisma vom Publikum geliebt wird. Llewyn Davis rennt seinem Traum hinterher, wie die Katzen im Film nach ihren Leben. Wie viel Leben hat ein Künstler, der Anerkennung sucht?

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Llewyn Davis macht sich auf den Weg ins verschneite Chicago. Am Steuer ein noch erfolgloserer Schauspieler, der nicht viel redet und keine Zigaretten teilt. Das Pech greift nach dem Zufallsprinzip. Nichts ist planbar. Als der Schauspieler von der Polizei verhaftet wird, zögert Llewyn Davis, was soll er noch alles schleppen und lässt die Katze im Auto zurück. Mit nassen Socken ergattert er sein Vorspielen. Viel Geld sieht der Manager nicht, ob er sich eine Band vorstellen könne. Nein, lehnt Llewyn Davis ab, er mag keine Harmonien. Natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit einen anständigen Beruf zu machen. Llewyn Davis will das nicht wirklich, es widert ihn an. So spielt er weiter in den Klubs, sagt zu der Sängerin Jean (Carey Mulligan) : „Ich bin so schrecklich müde. Ich dachte einmal ausschlafen hilft. Aber es ist mehr.“

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Alles geht weiter, wie immer. Auch das Glück greift zufällig zu. Nach Llewyn Davis tritt der junge Bob Dylan im Club auf. Hinter einem, der es schafft, stehen viele. Man kann es nicht steuern. Ich habe gedacht, dass in Berlin eine Menge Llewyn Davis Typen herum rennen. Wie sieht Berlin in zwanzig Jahren aus, wenn sie alt sind?

Tolle Filmmusik!

Inside Llewyn Davis, Ethan & Joel Coen, mit Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, John Goodman, Garret Hedlund, USA 2013

 

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