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BERLIN FASHION WEEK: JULIAANDBEN

BERLIN FASHION WEEK: JULIAANDBEN

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 Asymmetrische Unvollkommenheit & ein Hauch von Punk

Die Karl-Marx-Allee östlich vom Alexanderplatz eine Welt für sich. Die Uhren scheinen langsamer zu ticken, weniger Hektik, keine eilenden Menschen, genau genommen fast keine. Die breite Allee wirkt wie ein Modellbaukasten einer vergangenen Epoche. Als ich aus dem U-Bahnhof Weberwiese komme, holt mich die Vergangenheit ein. Die Architektur und die scheinbare Unmöglichkeit, unbeobachtet zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Auf der anderen Seite, werde ich auch langsamer, weil im Osten Zeit eines der Dinge war, die im Überfluss vorhanden war.

Das Label Juliaandben, die Designerin Julia Heuse, zeigt in der ehemaligen Karl-Marx-Buchhandlung die Herbst/ Winter Kollektion 2014 “Derived”.

Verfall und Vergänglichkeit sind zwei Inspirationsquellen von Julia Heuse. Die Buchhandlung ist so ein Ort, wo Vergangenheit und neue Zeit aufeinandertreffen. In den eingebauten Bücherregalen aus Holz stehen willkürlich gemischte Werke von Heinrich Heine bis Bulgakow. Die Quadrate auf dem alten Steinfussboden leuchten im verblichenen Braun unter einstrahlender Sonne. Weiße Decken-Bögen und religionsblaue Wände versetzen mich in eine andere Zeit. Gern könnten jetzt auch Diplome an Studenten der Russischen Akademie der Künste mit einleitender und auf Kurs bringender Rede vom Kunstprofessor verliehen werden, Vodka aus Wassergläsern im Anschluss inklusive.

Die Show beginnt und ich springe in meiner kleinen Zeitreise ins Berlin der Widersprüche. Lange schwarze Wollkleider mit Korsagen über locker fallende Stoffe gebunden.

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Kurze asymmetrische Kleider aus verschiedenen Stoffen gearbeitet. Jacken und Mäntel werden mit schmalen Gürteln talliert. Schwarz dominiert die Kollektion aufgebrochen durch Transparenz , wiederkehrende Asymmetrie, den Farben grau, petrol und Painting-Stil.

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Mäntel ohne Futter, können beidseitig getragen werden, nicht gesäumte Nähte geben einen Touch vom Unfertigen und gleichzeitig die Möglichkeit zum experimentieren, übereinander tragen.

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Bei Juliaandben gibt es nicht die eine Richtung. Schmale Kleider sind mit Schalkapuzen feminin und cool zugleich. Lange Rockschlitze und Doc Martens bestätigen, dass es sich um taffe Frauen handelt. Why not: mit einem Hauch von Punk.

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Der Mann ist sehr individuell, nicht unbedingt einer, den man sich traut anzusprechen, vielleicht ein Träumer. Das wird oft verkannt. Gerade Schnitte, Pullover in Kastenform aus Kaschmir und Leder.

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Die Mäntel mit weiten Kapuzen, um das Gesicht vor Frost oder Blicken zu schützen.

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Zweifarb-Rollis und adaptierte Bomberjacken machen das Zusammenspiel vom schüchternen College-Stil und Outlaw interessant.

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Wunderbar passend fand ich die Leder-Accessoires von t.h.o.SH. als Halsband, Korsage, Schulterschmuck getragen.

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 (photos © hannes hametner)

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