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TIME TO SAY GOOD-BYE: DAS GUTE ALTE HAUSTELEFON

TIME TO SAY GOOD-BYE: DAS GUTE ALTE HAUSTELEFON

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Als Kind konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Menschen früher ohne Fernseher ihre Abende verbracht haben. Es gibt Erfindungen, die ich toll finde und welche, wo ich denke: Das hätten wir vielleicht nicht gebraucht. Ich wünsche mir manchmal, dass es keine Handys gibt und die  Ära des Haustelefons noch viele Jahre vor sich hätte.

Sweet Memories

1. Man konnte ein Schwätzchen mit dem Freundeskreis der Mitbewohner halten, hörte manchmal zum erstenmal voneinander und konnte am Abend beim Spiegelei bemerken: Du, den kannte ich ja noch gar nicht, der klang aber nett.

2. Beim ungeplanten Gespräch mit den Schwiegereltern erfuhr man Kindheits-Geschichten aus der Welt des Angetrauten, was er am Liebsten zum Frühstück getrunken hat, damals als er noch Milchzähne hatte und dass er Federbetten liebt.

3. Man bekam wie nebenbei mit, mit wem die eigenen Kinder befreundet sind.

4. Wenn Teenie-Kinder schreiend durch die Wohnung rannten und riefen: „Ich gehe ans Telefon, „IIIIIIIIIIIIch.“, war klar, bis über beide Ohren verliebt.

5. Man konnte das Haustelefon anstarren und anbeten: Bitte ruf an. Bei jedem Klingeln, raste das Herzklopfen bis zu den Schläfen. Jetzt, dass muss er sein, um das „Hallo“ lasziv gelangweilt in den Hörer zu hauchen, was die Oma am anderen Ende der Leitung belustigt zur Kenntnis nahm.

6. Wenn man nach Hause kam und in die Runde fragt: „Hat jemand für mich angerufen“ und die Antwort folgte: „Erwartest du einen Anruf, von wem denn?“

7. Man konnte loslassen, hatte seine Ruhe, wenn man das Haus verließ, war verschwunden in den Kreisen der Großstadt und erst am Abend wieder erreichbar. Wunderbar zu sagen: „Heute Abend mach ich meinen Telefonabend.“

8. Eifersucht hatte Ruhephasen, wenn der Freund ans andere Ende der Welt fuhr oder zum Männerabend in die Fußballkneipe verschwand, ging ich nicht davon aus, sofort einen Anruf zu bekommen und ich konnte auch nicht nachfragen. Die eigene Zeit begann. Es liegt nicht in meiner Macht.

9. Wenn sich nach dem Klingeln keiner am anderen Ende meldet, konnte man einen berechtigten Verdacht haben, dass etwas ungeplant Geheimnisvolles vor sich geht. Hat der Mann ein Verhältnis oder Verehrerin oder man selber?

10. Ein Knacksen in der Leitung, Vorsicht bei zwei Haustelefonen. Dazu gehörte schon was, heimlich mitzuhören.

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11. Man konnte tausend mal  incognito anrufen, ohne dass der Andere wusste, dass man schon wunde Fingerkuppen hat.

Umkehrschluss: Heute sehe ich sofort, dass er mich nicht angerufen hat. Illusions-Verdrängung ist weniger möglich.

12. Man hat sich manchmal tagelang nicht erreicht, die Vorfreude wuchs ins Göttliche oder wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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13. Das Wort Helicopter-Mom gäbe es nicht, weniger Kontrollzwang: Wo bist du, wann kommst du?

Jetzt hat jeder in der Familie sein eigenes Handy, seine eigene kleine Welt, die sich seltener miteinander vermischen oder besser gesagt, man muss direkt nachfragen, der schöne Zufall ist verloren gegangen, das Klingeln, dass für alle sein könnte.

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