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GESUCHT & GEFUNDEN: FEIN UND RIPP

GESUCHT & GEFUNDEN: FEIN UND RIPP

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Zufall oder Bestimmung, dass Joachim Pianka auf die textilen Schätze aus den 20er- 80er Jahren gestoßen ist. Eigentlich war sein Business, die Reisewünsche anderer Leute zu koordinieren. Der Job als Mitinhaber eines Reisebüros hat ihm Spaß gemacht, Leute die Urlaub machen wollen sind gut drauf, es ging ja nicht um Zugtickets nach Halberstadt. Mit den Jahren aber wurde der Druck größer, wer eine Tastatur bedienen konnte, begann seine Flüge selber zu buchen. Joachim Pianka war auf der Suche nach Alternativen. Geholfen hat dabei sein persönlicher Kleidungsstil, eine Vorliebe für Knopfleistenhemden, die sich Joachim Pianka von seiner Oma aus Süddeutschland nach Berlin schicken ließ.

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Als Oma meinte, jetzt wären sie alle, begann er selber zu recherchieren, wo man Nachschub herbekommen könnte. 2010 wurde er in einer stillgelegten Textilfabrik in der schwäbischen Alp „made in Western Germany“ fündig. Über acht Jahre standen die Maschinen still. Joachim Pianka erzählt, dass es in den Büros mit der Aura der 50er, den  Schreibmaschinen und Ablagen so aussah, als ob die Sekretärinnen nur kurz in der Mittagspause wären. Eigentlich war es schon immer ein Traum von ihm, in einer alten Fabrik oder auf vergessenen Dachböden rumzustöbern. In der stillgelegten Fabrik standen hunderte Paletten original verpackter Textilien aus den 20er- 80er Jahren. Ein halbes Jahrhundert deutsche Textilgeschichte: Knopfleistenhemden, lange Unterhosen, Charmeuse-Nachtwäsche, Poloshirts, Nickipullover in zig Farben, Blusen, Trainingsanzüge. „Das kannst du kaufen, wenn du willst.“ so das Angebot. Joachim Pianka wurde förmlich über Nacht Besitzer von 40 Tonnen Textilien. Seine beiden Söhne, damals 25 und 21 Jahre alt, fanden es interessant, was der Herr Vater plante und waren dabei. Ein Familienunternehmen war gegründet, obwohl die Hierarchien nicht immer ganz festgelegt und eindeutig scheinen, erzählt Joachim Pianka lachend.

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photo © fein und ripp

Fünf Tage sichteten die Drei ihr neues Kapital und brachten es nach Berlin, begannen auf dem Flohmarkt im Mauerpark ihre Original-Textilien zu verkaufen. Um fünf Uhr aufzustehen hat die Drei einige Mühe gekostet, aber die Nickis, Shirts und Trainingsjacken wurden wahnsinnig gut verkauft. 2011 war es dann soweit, dass sich Joachim Pianka sagte, die Sache richtig anzugehen. Der erste Fein und Ripp Store öffnete in der Kastanienallee. Auf meine Frage, welche Epoche seines Bestandes er persönlich bevorzugt, meint er, die Anzüge aus den 20er Jahren, die von schwedischen Strafgefangenen hergestellt wurden. Früher war er mit seinen Klamotten nie wirklich zufrieden gewesen und hat jetzt eben gefunden, wonach er gesucht hat. Spannend auch, wie sich seine Söhne äußerlich verändert haben. Früher liefen die in Sneakers, Basketball-Shirts herum, jetzt oft wie er selbst in Anzügen und Westen.  

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Vater & Söhne machen mittlerweile ihre eigene Männer-Kollektion aus alten Leinenstoffen und Bettlaken der schwedischen Armee: Anzüge im Stil der 50er, Stehkragenhemden, Westen. Schwedische Armee-Wäschesäcke aus den 40ern werden zu „Fein und Ripp backsacks“. Dabei arbeitet man mit einem Sattler aus dem Kiez zusammen. Joachim Pianka arbeitet gern mit Leuten, die er kennt. Er mag es, wenn die Leute bewusst einkaufen, Sachen lange tragen kann. Der Ursprung der Worker-Klamotten sei nicht unwesentlich und so werden auch Pike Brothers Jeans angeboten.

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Stil sei für ihn persönlich wichtig, aber er würde nicht die Nase rümpfen, wenn andere H&M tragen. Jeder setzt seine eigene Wichtigkeit und Vintage Mode sei eben gerade Teil seines Lebens, trotzdem habe er den Blick auch für andere Sachen offen. Sein Stil im Retro Look mal 30er mal 40er mache ihm Spaß, lässt ihn anders auftreten und es wirkt auch auf die Kunden, die sich neu einkleiden lassen und danach total happy sind, weil sie was anderes aus sich gemacht haben. Joachim Pianka steht auf Zuverlässigkeit, Geschäftspartner, auf die man sich verlassen kann, als Ehrenkodex alter Schule, genauso wie der Kauf der Textil-Paletten mit Handschlag besiegelt wurde.

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 FEIN UND RIPP

Mo- SA: 12.00- 19.00

Kastanienallee 91/92

10435 Berlin-Prenzlauer Berg

www.feinundripp.de

 

 

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