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A MOMENT WITH: FIONA BENNETT

A MOMENT WITH: FIONA BENNETT

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Die Hut-Designerin Fiona Bennett gehört zu den Frauen in Berlin, die ein untrügliches Gespür für femininen Chic und Stil haben. Ihre Hut-Couture ist eine Hommage an die Welt surrealer Träume, Luxus von der Muse Phantasie geküsst, mit einer Brise Humor, keckem Augenzwinkern, aus  feinen Materialien. Seit Ende der 80er Jahre designt Fiona Bennett Hüte für glamouröse Momente, Frauen & Männer, Kunst und Celebrities, auch für den täglichen Esprit mit ihrer ready to wear Linie KISS. Ihr Hut-Salon in der Potsdamer Straße, den sie 2012 nach dem Wegzug aus Mitte eröffnet hat, ist das Herzstück des Labels. Der Salon mit der offenen Werkstatt, der Aura gehobener Manufaktur, gestapelten schwarz/weiß gestreiften Hut-Kartons, Federn, Perlen, Blumengebilden, die weißen Blusen der Hutmacherinnen, die Ordnung der Materialien lassen den background eines britischen Mädchens vom mondänen Seeort Brighton erkennen, wo Tradition und die Verspieltheit des Meeres zu Hause sind.

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Ein Ort an dem man gern länger bleiben möchte. Fiona Bennett hat ein offenes Lachen, eine Frau, die weiß wo sie herkommt, was sie erreichen will, ohne zu viel auf gefeierte Erfolge zurückzuschauen. Ich unterhalte mich mit ihr über den britischen Humor, ihre Visionen vom kommenden Berlin der neuen 20er, ihre Ziele, den Fiona Bennett Look 2014, Berlin nach dem Mauerfall, ihre Musen. Die Zeit vergeht wie im Fluge…

Du kommst aus Brighton, vermisst Du manchmal das Meer?

Ja, mein Traum ist es, am Meer zu leben. Landschaftlich gesehen, will man irgendwann dahin zurück, wo man herkommt.

Wie kommt man von Brighton nach Berlin?

Ich bin mit meinen Eltern nach Berlin gekommen, da war ich sechs Jahre alt. Es war schrecklich, ein Schock. In meiner kindlichen Wahrnehmung bin ich von einem Technicolor-Film in einen schwarz/ weiß Film gekommen. In Brighton bin ich direkt am Strand in einem rosa Holzhaus aufgewachsen. Da kommen auch meine Design-Inspirationen her, die Streifen, der Süßigkeitenladen, das Meer. Meine Mutter ist eine waschechte Berlinern, die sich beruflich als Akademikerin weiterentwickeln wollte. So sind wir 1972 nach Berlin gezogen.

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Hattest Du damals Vorurteile gegenüber Ostberlinern?

Wir hatten Verwandte, Familie bei Ostberlin, die wir besucht haben. Aus meiner Kindheit ist mir in Erinnerung geblieben, dass mir das Essen dort, es war sehr fettig gekocht, nicht geschmeckt hat. Meine Verwandten lebten auf einem Bauernhof, die Art und Weise zu leben, hat mich eingeschüchtert. Seit dem Mauerfall habe ich langjährige Freunde aus Ostberlin. Ich habe die Unterschiede sehr wahrgenommen und Ostberliner als extrem angenehm, kollegial, verbindlich, auf dem Boden geblieben, kreativ kennengelernt. Ich hatte schnell Kontakt zur Musikszene wie zu Rammstein oder Bobo In White Wooden Houses.

Wo warst Du als die Mauer fiel?

Ich war in Graz in Österreich, wo ich einen Tag vorher eine Modenschau mit Lisa D. hatte. Die Mutter von einer Freundin, die ab und an und gerne etwas trank, rief uns an: „Kinder die Mauer ist gefallen.“ Wir dachten nur, sie ist wieder betrunken und haben das nicht ernst genommen. Dann hatten wir Angst zurück nach Berlin zu kommen, nach dem Motto: Steht das Mobiliar noch. Fast so, als ob man seine pubertierenden Kinder für ein paar Tage allein zu Hause gelassen hat.

Konntest Du in den berühmten 90er Berliner Nachtleben diszipliniert arbeiten?

Ich war diszipliniert aus Leidenschaft. Ich habe geliebt, was ich tue, das war ich. Mein Atelier habe ich nicht vor 15 Uhr betreten, habe die Nacht durchgearbeitet. Ich war ein Nachtvogel, der Rhythmus hatte sich verschoben, genau wie der von meinen Kunden. Ich habe nachts meine Hüte verkauft und bin dann noch tanzen gegangen.

Was mochtest Du an den 90ern?

Das unklare, unfertige Berlin, welches man mitgestalten konnte. Ich habe die Möglichkeiten gesehen und versucht mitzugestalten. Irgendwann ist es dann gekippt, aber es war viel möglich.

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Wann hast Du deinen ersten Hut gemacht, was war die Inspiration?

Das war in meiner Ausbildung 1987. Mit Anfang zwanzig habe ich drei Jahre in einem alteingesessenen Hutgeschäft in Kreuzberg gelernt. Kreativ konnte ich mich dort nicht ausleben, dort wurden nur Oma-Hüte gemacht, aber ab und an auch Hüte fürs Theater oder die Oper. Das waren die Highlights. Ich hatte andere Ideen im Kopf, die es noch nicht gab. Mein erster Hut war Fisch-Hut, ein Riesenfisch, der sich in den Kopf beißt.

Wolltest Du immer Hut-Designerin werden?

Eigentlich wollte ich Bildhauerin werden. Von klein auf war mir klar, dass ich Künstlerin werden möchte. Ich war als Kind in den Ateliers von meinem Onkel und meiner Tante und wusste, dass ich nicht flach, sondern plastisch arbeiten will. Hüte zu machen hat die Möglichkeiten verbunden, mit Menschen zu tun zu haben, mit Formen und Farben den menschlichen Ausdruck zu gestalten.

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Wie wichtig ist Humor im Leben?

Sehr wichtig, das höchste Gut. Den sollte man sich erhalten. Das Leben ist nur halb so wertvoll ohne Humor. Es ist eine Lebensentscheidung, da kann man sich hin trainieren, dass ist nicht immer so einfach.

Was bedeutet britischer Humor?

Die Briten sind sowieso im Alltag sehr humorvolle Menschen: Schnelle Witze, spielerisch flirten und schäkern, dadurch wird es einfacher. Das finde ich sehr erstrebenswert, auch die Ironie.

Hattest Du Angst vor dem Risiko, als Du 1992 Dein erstes Studio in der Goßen Hamburger Straße in Mitte eröffnet hast?

Ich hatte schon vorher ein Atelier in der Brunnenstraße, 150 Quadratmeter in einer Fabrik-Etage, das von Leuten aus der ganzen Welt besucht wurde. Als ich schwanger war, dachte ich mir, ich bleibe in Mitte und mach einen Laden auf, wo alle rein kommen können.

Kommt ein Teil Deines Erfolges daher, dass Du selbst eine Junge Wilde warst und viele der damaligen Freunde erwachsen und erfolgreich geworden sind?

Das hat leider nicht so funktioniert. Ich wurde nicht von anderen mitgetragen. So etwas ist sehr sporadisch, kommt und geht. Es gibt Ausnahmen wie Joachim Gern, der seit 25 Jahren zu den besten Fotografen gehört. Er ist für mich Familie.

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Die Zwanziger kommen wieder: Hast Du eine Berliner Vision?

Es gibt schon einen Rhythmus. Berlin ist auf Sand gebaut, eine Stadt, die zerstört und wieder aufgebaut wird, die ihre Vergangenheit weg radiert nach dem Motto: Jetzt ist alles besser und neu. Man muss nur an den Palast der Republik denken. Ich finde es unmöglich, der Stadt die Geschichte zu nehmen. Das Wegradieren passiert hier immer wieder, ein Tanz auf dem Vulkan. Ich glaube nicht, dass Berlin so bleibt, wie es ist. Berlin ist nie fertig, es zerren zu viele Kräfte an der Stadt und sie will immer wieder neu erobert werden. Armut und Glamour liegen dicht beieinander. Der Reichtum ist unglaublich. Berlin ist heute eine Party-Stadt. Leute kommen und gehen, hinterlassen dabei keine Spuren, sie beteiligen sich nicht am Aufbau dieser Stadt, vielmehr wird spekuliert.

Wann trägt Frau oder Mann heutzutage Hut?

Das ist breit gefächert. Das hängt natürlich von der Witterung und den Bedürfnissen des Einzelnen ab: Will man sichtbar und schön sein, geht man auf einen Cocktail-Empfang, wählt statt Schmuck lieber Kopfschmuck, mag bei Regen lieber einen Hut als einen Schirm, trägt in der Sonne gern einen Strohhut. Übrigens 50% meiner Kunden sind Männer. Hüte für Männer gibt es in allen Farben und auf Maß.

Warum bist Du 2012 mit Deinem Studio nach Schöneberg gegangen?

Mir hat Mitte nicht mehr gefallen. Es ist zu touristisch geworden. Ich war nicht mehr am richtigen Ort zwischen H&M und Starbucks. Meine Kunden sind nicht mehr gern dorthin gekommen. In Mitte wurde es unruhig, unangenehm, Kneipen-Pubs-Scrolls, Gegröle und Menschen, die sich schlecht benehmen.

Du hast einen fast erwachsenen Sohn. Mutter sein & Karriere machen, ist das ein Widerspruch oder Bereicherung?

Das befruchtet sich, es ist nicht einfach Beides gut zu erfüllen. An beiden Ecken fehlt Zeit. Man weiß auf einmal, wie viel Zeit man früher hatte. Als Mutter lernt man zu strukturieren, sich zu organisieren. Ich finde es enorm, was Frauen leisten, die ein Menschlein groß ziehen. Oft wird es als selbstverständlich hingenommen.

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Ich habe gelesen, dass u. a. Dein Sohn Linus eine Muse für Dich ist. Überhaupt waren es ausschließlich Männer, wie Peter Adamski oder Martin Eder. Kann Dich auch eine Frau verzaubern?

In der Historie gab es keine Frau, die sagt: Ich habe eine Muse. Es waren immer Männer, die ihre Jünglinge, Nymphen hatten. Ich dachte mir, ich habe auch welche, mit denen ich kreativen Austausch habe, das ist ein Ping-Pong Effekt. Ich bin auch Muse für andere. Die Aktion war humorvoll gemeint.

Seit ich Dich kenne, bist Du ein Synonym für sehr femininen Chic. Woher kommt dieser fast klassische Look?

In meiner Kindheit war ich wirklich sehr gern das englische klassische Mädchen mit Schleifen im Haar. Die englischen Frauen sind weiblicher, normaler und stehen im starken Kontrast zu den Berlinerinnen. Für mich war das damals ein Schock. Du würdest mich nicht in einer Jeans rumlaufen sehen. Ich würde mich verkleidet fühlen.

Gibt es Tage an denen Du keinen Hut trägst?

Ich trage fast immer einen Hut oder habe beim Arbeiten Bänder im Haar. Ich fühle mich nackt ohne Kopfbedeckung.

Welche Accessoires trägst Du neben Hüten gern?

Schuhe, Handtaschen, Schmuck, Tücher. Ich liebe alle Accessoires, schöne Gebilde und die persönliche Note.

Gehören Hüte zur Phantasie?

Vielleicht hat es was damit zu tun, dass bei Hüten alles möglich ist.

Lässt Du Dich von Fashion-Trends leiten?

Ich lasse mich nicht wirklich beeinflussen. Das geht ja vielen Kreativen so, dass sie ihrer Zeit oft voraus sind, Dinge entwickelt haben, die dann erst in zwei, drei Jahren laufen. Obwohl Zara und H&M mittlerweile wahnsinnig schnell auf trendverdächtige Tendenzen reagieren.

Der Fiona Bennett Look für den Sommer 2014?

Ganz viele Pastell-Töne und saftige Strohfarben, schöne Farbverläufe, Federn & Blüten. Ja, tuffige und kitschige, pastellige Sachen genauso wie Leinen-Kappen und edle Strohhüte.

Du machst Couture-Hüte, was verpasst eine Frau, die keinen Hut trägt?

Das gewisse Spiel mit den Facetten ihrer Persönlichkeit.

Denkst Du manchmal: Jetzt habe ich es geschafft?

Nein, das Gefühl habe ich nie gehabt. Es geht immer weiter. Man freut sich über das Erreichte, wie den Laden hier, die kleinen Schritte. Ich glaube das Gefühl werde ich nie haben, das würde das Ende beinhalten.

2013 hast Du gemeinsam mit Eva Sichelschmidt das Buch „Vom Locken der Federn“ veröffentlicht und viele Lesungen gemacht. Sind Lesungen aufregend?

Das Buch zu machen war eine spannende Reise, eine tolle Arbeit, immer erfrischend. Die Herausforderung war, dass wir ein Buch machen wollten, das wir selber gern hätten, was man schön weglesen kann. Bei den Lesungen war ich überrascht, als ich feststellte, dass ich eine Lesestimme habe. Das habe ich vorher nicht gewusst. Die erste Lesung vor 300 Leuten war eine Feuerprobe. Ben Becker saß in der ersten Reihe und grinste die ganze Zeit, da habe ich gewusst, dass es gut läuft. Die Lesungen habe ich wahnsinnig gern gemacht und es geht weiter.

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Was für Wünsche hast Du?

Ich möchte im Ausland noch präsenter sein, sind wir auch schon auf der Messe in Paris. Es fängt gut an. Das ist mein neuer Kick.

Wie kannst Du dich entspannen?

Sehr gut. Ich mache Sport, Yoga, jogge durch den Wald oder entspanne in der heißen Wanne mit Musik.

Ein schöner Moment für Dich?

Wenn man sich mit Freunden kaputt lacht.

waitamo_berlin_fashion_weekMerci Fiona

FIONA BENNETT

Mo- Sa: 10.00- 19.00

Potsdamer Str. 81- 83

10785 Berlin- Schöneberg

www.fionabennett.de

 

 

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