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A MOMENT WITH: LILY BERGNER & ELISABETH SCHMIDT

A MOMENT WITH: LILY BERGNER & ELISABETH SCHMIDT

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(Lily Bergner & Elisabeth Schmidt von bergnerschmidt)

Die Berliner Designerinnen Lily Bergner und Elisabeth Schmidt haben sich schon während des Studiums kennen gelernt und gemeinsam ihre Liebe zu dem ungewöhnlichen Schmuck-Material Beton entdeckt. Inspiriert vom Bauhaus und dass Schmuck nicht immer glänzen muss, entwerfen die beiden seit 2010 mit ihrem Label bergnerschmidt schlichte, zeitlose Schmuckstücke im puristischen Design, die beweisen, dass Beton leicht, schön und filigran sein kann. Ich habe Lily Bergner und Elisabeth Schmidt in ihrem Atelier in der Friedrichstraße getroffen. Geometrische Skizzen hängen an den Wänden, Schleifmaschinen stehen im Atelier, Sonne scheint durch die Fenster, Ringe, Armbänder verführen dazu, sie berühren, tragen zu wollen.

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Ich bin fasziniert von der unerwarteten Leichtigkeit der Schmuckstücke. Man merkt schnell das Lily Bergner und Elisabeth Schmidt ein Team und Freundinnen zugleich sind. Offen und begeistert erzählen sie, dass sie am Anfang kleine Schritte gegangen, gemeinsam gewachsen sind, wie fasziniert Kunden auf das ungewöhnliche Material reagieren, sie Berlin für ihre Kreativität brauchen, was sie an der jeweils Anderen schätzen und welche Träume sie haben.

Warum habt Ihr Euch für Schmuck-Design entschieden?

Eli: In erster Linie haben wir Mode-Design gelernt. Als wir zu zweit unser Diplom gemacht haben, hatten wir viel Energie und wollten experimentell noch etwas zu der Mode hinzu addieren. Da kam der Beton-Schmuck ins Spiel. Am Anfang wollten wir eigentlich beides machen: Mode und Beton-Schmuck. Aber Beton-Schmuck hat ein Alleinstellungsmerkmal.

Lily: Das Spannende am Arbeiten mit Beton ist das Experimentieren. Es hört nie auf. Bei der Mode experimentieren wir auch, aber man orientiert sich auch an schon vorhandenen Designs. Wenn wir unseren Schmuck gestalten, orientieren wir uns ausschließlich an unseren Ideen und dem Material selbst. Die Grenzen des einen, sind manchmal die Möglichkeiten des anderen und umgekehrt. Das ist spannend und immer neu.

waitamo_berlin_fashion_blogWas kann Schmuck an einer Frau präsentieren?

Eli: Zarter Schmuck ist eher was für zarte Charaktere. Unser Schmuck ist puristisch, ein Statement. Beton kann sehr edel sein, ein schöner Kontrast für Frauen, die gerne experimentieren. Lustigerweise stehen Architektinnen sehr auf unseren Schmuck.

Lily: Kleidung und Schmuck sollte herausbringen, was der Person innewohnt. Starke Frauen tragen starken Schmuck. Bei Beton gibt es die Vorstellung, dass er rauh, hässlich und monoton ist. Dabei kann er glatt, zart, fein wie ein Handschmeichler sein. Er hat eine klare Formensprache. Man trägt ihn bewusst.

Eli: Unser Schmuck ist präsent. Er kann nie klein sein, er ist immer massiv. Aber man kann ihn mit Leichtigkeit tragen.

Beton ist nicht unbedingt ein Glamour-Indiz. Warum habt Ihr Euch für Beton als Material entschieden?

Lily: Unsere Diplomarbeit hat sich am Bauhaus-Stil orientiert. Wir haben nach einem neuen Material für den Schmuck gesucht. Da lag die Idee mit dem Beton auf der Hand. Am Anfang haben wir extrem experimentell gearbeitet, sind aber immer näher zu dem gekommen, was funktioniert.

Geometrie ist ein wiederkehrendes Element. Wie wichtig sind Euch klare Formen & Struktur im eigenen Leben?

Lily: Dass was wir machen, spiegelt uns wieder. Bei der Arbeit für unser Label brauchen wir Struktur und eine gute Organisation. Da wir beide ziemliche Kontrollfreaks sind, funktioniert das ganz gut.

Eli: Ja, wir passen in das rein, was wir machen. Unsere Arbeit kann man auf das Leben übertragen und umgekehrt.

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Kann Beton leicht sein?

Lily: Unser leichtester Ring hat 4g. Der schwerste Doppelring 18.

Habt Ihr von Anfang an, an Euren Erfolg geglaubt?

Lily: 2010 haben wir unsere erste Kollektion gemacht. Am Anfang hatten wir viel Hoffnung und auch sehr viel Aufmerksamkeit und positive Resonanz für die Kollektion bekommen. Es gab auch viele Tiefs, Unsicherheiten, Existenzängste. Man gibt viel von sich preis, erlebt Enttäuschungen. Unser Produkt ist ein Nischenprodukt. Uns war klar, dass wir die Welt nicht mit Beton ausstatten werden. Aber wir haben immer an unser Produkt geglaubt und gleichzeitig gewusst, dass wir uns Zeit geben.

Eli: Wir haben uns nicht durchgängig euphorisch und super gefühlt. Das kann man wie Wellenformen sehen. Die Produktion war am Anfang noch nicht ausgereift. Das haben wir jetzt geschafft und haben das Gefühl: Wir schaffen das. Jetzt ist der Moment, wo die Bestätigung von außen kommt.

Lily: Wir sind mit dem Erfolg gewachsen. Oder andersrum: zuerst sind wir gewachsen, dann kam der Erfolg. Vor zwei Jahren haben wir z.B. unsere erste Messe gemacht. Das war schon ein größerer Schritt. Wir haben auch zulange gedacht, dass wir nicht in größeren Serien produzieren können. Man lernt es, sich zu trauen, große Schritte zu machen.

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Eli: Aber keine übergroßen.

Lily: Wir waren eher zu vorsichtig und sind in kleinen Schritten gegangen, haben lange gewartet und beobachtet. Es ist wichtig zu sehen, dass sich etwas bewegt. Dann ist es auch ok, wenn es länger dauert.

Ihr verkauft mittlerweile auch international sehr gut.

Eli: Ja, Asien läuft sehr gut an.

Lily: Wir haben jetzt drei Messen in Berlin und Paris gemacht. Viele Kunden kommen aus England oder Australien.

Eli: Das größte Kompliment ist, wenn die Nach-Order kommt.

Braucht man einen langen Atem, um als Designer-Label zu bestehen?

Eli: Ja, einen sehr langen.

Lily: Aber dass muss man differenzieren. Mit viel Geld kann man natürlich gleich große Schritte gehen. Die Frage ist nur, ob man dafür schon bereit ist. Ich bin froh, wie es bei uns gelaufen ist.

Eli: Dass wir kein Geld hatten?

Lily: Ja, ich finde wir sind gewachsen. Wir haben uns alles selbst erarbeitet auch das Selbstbewusstsein.

Eli: Ein tolles Gefühl.

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Lily Bergner & Elisabeth Schmidt

Von welchen Träumen habt Ihr Euch verabschiedet, welche sind hinzugekommen?

Lily: Wenn man von Anfang an erfolgreich ist, kommt man nicht hinterher, den Erfolg mit sich selbst zu füllen. Wir wären überfordert gewesen.

Eli: Natürlich träumt man davon, von seiner Kreativität leben zu können.

Lily: Es gab den dollen Wunsch einen eigenen Laden zu haben. Den haben wir nicht mehr. Wir wollen unseren Weg mit ein, zwei Kollektionen im Jahr gehen. Das reicht. Wir verkaufen unsere Kollektionen in vielen Läden. Das ist toll.

Eli: Gerade passiert viel für uns.

Könntet Ihr Euch vorstellen in einer anderen Stadt Euer Label zu machen?

Eli: Nein, dass würde nicht funktionieren. Wir brauchen Berlin.

Lily: Wir sind beide von hier. Ich aus Berlin, Eli aus Potsdam. Unser Label kann nur hier stattfinden.

Eli: In Paris würden wir trotzdem Ideen haben.

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Kann Arbeit und Freundschaft zusammen funktionieren?

Lily: Ja, muss nicht. Kann.

Eli: Auf jeden Fall.

Lily: Wir waren nie nur Freundinnen oder nur Kollegen. Das war nie getrennt. Wir haben eine Beziehung wie in der Liebe. Wenn man aufeinander aufpasst, achtsam ist, dann funktioniert es.

Eli: Wir lernen viel von einander. Wir lösen Probleme zusammen.

Hört Ihr Musik während der Arbeit?

Lily: Wenig.

Eli: Sehr wenig. Obwohl wir Musik lieben. Aber mit Musik kann man sich nicht so gut konzentrieren.

Lily: Beim Arbeiten, wenn wir Schleifen reden wir oft nicht. Das hat was von meditativem Zusammensein.

Ihr wart im März in Paris auf der Mode Messe. Wie waren die Reaktionen?

Lily: Ja, wir haben in Tokio einen neuen Laden. Beton als Material hat einen Überraschungsmoment, einen Entdecker-Bonus. Die Leute sind sehr interessiert.

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Lily Bergner & Elisabeth Schmidt

Der Unterschied zwischen der Berlin Fashion Week und der Pariser?

Lily: Paris ist während der Fashion Week wahnsinnig voll mit Einkäufern, Kunden, Presse. Die Stadt läuft fast mit Mode über. In Berlin kann man, wenn man nichts mit Mode zu tun hat, die Fashion Week völlig ignorieren.

Eli: In Paris wird jeder Laden zum Show-Room. Für uns ist der Zulauf in Berlin trotzdem größer. Nach einer Messe in Paris kann man noch nicht soviel sagen.

Lily: Die Kunden in Paris haben einen strikten Zeitplan, hasten von einem Show-Room zur nächsten Galerie, haben keine Zeit zum Schlendern. Man muss die Messe öfters machen. Am Anfang wird man noch beobachtet. In Berlin wird man entdeckt und die Leute wissen sofort, dass finden sie toll oder nicht.

Eli: Ja, es ist zu früh, etwas dazu zu sagen. Auf Berlin sollten wir nie verzichten.

Lily: Zukünftig wollen wir auch in die skandinavische Richtung gucken.

Was schätzt ihr jeweils an dem Anderen?

Eli: Lilys Feingefühl in jeglicher Hinsicht, wie sie mit Kunden spricht, beim Designen, ihr Feinschliff ist toll. Das habe ich nicht so sehr. Ich brauche Lily an meiner Seite.

Lily: Das ist genau, was ich sagen wollte. Wenn der eine von uns eine Idee hat, schaut der andere rauf und bringt was dazu. Ich brauche Eli. Sie hält mir einen Spiegel vor, entweder sehe ich es genauso oder kann es von der anderen Seite betrachten. Kein Produkt von uns ist nur im Kopf des Anderen entstanden. Ich schätze an Eli, dass sie mutig an Dinge herangeht. Sie ist eine Macherin. Ich bin eher verkopft.

Eli: Das stimmt schon, dass ich mache. Man muss sich auch bremsen, sonst kann es einen auch fertig machen, dass man sich überarbeitet. Das habe ich von Lily gelernt, Dinge in Maßen zu tun. Man muss sich nicht immer aus powern.

Lily: Man kann auch mal zufrieden sein, wenn man etwas geschafft hat.

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Lily Bergner & Elisabeth Schmidt

Tragt ihr persönlich Schmuck?

Lily: Im Alltag kaum. Ich arbeite ja mit den Händen. Ich bin eher der praktische Typ. In bestimmten Situationen trage ich sehr bewusst Schmuck.

Eli: Ich trage unseren Schmuck. Ich will wissen, wie das Material funktioniert.

Lily: Das finde ich auch toll, dass du das machst. Ich muss nicht alle eigenen Sachen tragen.

Seht Ihr Euch als unabhängige Frauen?

Eli: Wie meinst du das?

Unabhängig von einem Chef oder Mann zum Beispiel…

Eli: Ja, wenn du das meinst, dann bin ich unabhängig.

Lily: Schon mit allen Ängsten, die man haben kann. Wir haben das Glück, dass wir verwirklichen, wovon wir träumen. Abhängig ist man trotzdem von vielen Dingen, vom Geld usw.. Aber wir sind unabhängig, da wir das tun, was wir wollen.

waitamo_berlin_fashion_blogWie wichtig ist Vertrauen, wenn man zusammenarbeitet?

Lily: Das ist bedingungslos wichtig. Man muss vom Besten ausgehen.

Eli: Absolut.

Lily: Man muss im Großen und Kleinen abgegeben können. Bei zwei Kontrollfreaks, wie wir es sind, ist das manchmal schwer. Das muss man lernen.

Was ist ein glücklicher Moment für Euch?

Eli: Jetzt gerade.

Lily: Wenn Kunden und Einkäufer unser Produkte in den Händen halten und verstehen, was wir machen. Wenn man es nicht erklären muss, sondern kommentarlos verstanden wird.

Was mögt Ihr an Berlin?

Eli: Ich wohne ja in Potsdam. Ich finde die Mischung schön, wenn ich nach Berlin fahre, die Anonymität, die Vielseitigkeit, das Schroffe. Ich ziehe mich aber auch gern zurück.

Lily: Ich habe in Berlin meinen Lieblingsradius, aus dem ich mich auch zurückziehen kann. In Berlin sind viele Lebens- und Arbeitsmodelle möglich. Die Anonymität schafft Unterschiedlichkeit. Große Kreativität ist möglich. Ich lebe und arbeite hier total gern.

Merci Lily & Eli!

waitamo_berlin_fashion_blogbergnerschmidt

studio/ showroom

Friedrichstraße 113

10117 Berlin-Mitte

www.bergnerschmidt.com

bergnerschmidt ist in Berlin u.a.in den stores von Adrett und Esther Perbandt vertreten

 

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