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REMBRANDT BUGATTI: ALTE NATIONALGALERIE

REMBRANDT BUGATTI: ALTE NATIONALGALERIE

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 text & photos von Hannes Hametner

Wer bei Bugatti bislang an die legendären Luxusautos, an Drehzahl, Geschwindigkeit und Kubikzentimeter dachte, der hat derzeit in der Alten Nationalgalerie in Berlin die Gelegenheit, sich die Augen zu reiben und zu staunen.

Was dort jetzt auf drei Etagen, eingebettet in die Dauerausstellung preußischer Kunstsammlung gezeigt wird, ist die erste Weltausstellung mit den einzigartigen Werken des kaum bekannten Bildhauers Rembrandt Bugatti – und nebenbei eine interessante Familiengeschichte.

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Rembrandt Bugatti und sein drei Jahre ältere Bruder, der spätere Automobilkonstrukteur und Firmengründer Ettore wachsen in dem mondänen, weltoffenen Künstlerhaushalt des Designers und Architekten Carlo Bugatti in Mailand auf. Beide Jungen arbeiten in der Werkstatt des Vaters mit. Die Legende will es so, dass der Vater Carlo die ersten Skulpturen seines jüngsten Sohnes, drei Kühe, dort entdeckt und seine Begabung fördert – Bugatti ist 13. Hier beginnt der Weg eines sensiblen jungen Künstlers, der früh erfolgreich, mit 18 Jahren stellt er seine Skulpturen auf der Biennale in Venedig aus, sein Leben der bildhauerischen Gestaltung von Tieren widmet.

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Ohne Kunststudium, ohne anatomische Lehre, andere Bildhauer sezieren zur Grundlagenforschung Tiere, arbeitet Bugatti aus der reinen Beobachtung, der schöpfenden Nachahmung. Der Zoo wird sein Zuhause, seine Lebensstationen widmet er der Artenvielfalt der Tierwelt.

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Rembrandt Bugatti, Zoo Antwerpen, 1910

Die Familie geht aus finanziellen Gründen nach Paris – ein doppelter Glücksfall für Rembrandt, der noch nicht volljährig einen Vertrag mit dem bedeutenden Galeristen und Betreiber einer Bronzegießerei Hébard abschließt, ausstellen, gut verkaufen kann und im Jardin du Plants, dem Pariser Zoo, seine Welt findet. Während gleichzeitig Picasso, Modigliani, Braque und all die Anderen die Kunst revolutionieren, beobachtet Bugatti wochenlang vor und hinter den Gittern, hält Zwiesprache, entdeckt das Wesen der Tiere, ihre Individualität und modelliert den Moment ihres wesentlichen Ausdrucks.

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Bugatti, der 1906 nach Antwerpen zieht, um im dortigen Zoo, der eine größere Artenvielfalt besitzt, seine Arbeiten fortzusetzen, ereilt das Schicksal des frühen 20 Jahrhunderts. Nach Beginn des ersten Weltkrieges wird im Antwerpener Zoo ein Feldlazarett eingerichtet und Tiere aus Futtermangel notgeschlachtet. Während Bugatti zeitlebens den Tieren ein individuelles, fast menschenähnliches Seelenleben gibt, entpuppt der Mensch sich als die Bestie. Im feinen Anzug, ein frischer Blumenstrauß in der Vase, vergiftet sich Bugatti 1916 in Paris mit Gas. An seine Tante schrieb er kurz vorher: „Wäre ich nie Tierbildhauer geworden.“

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Das Besondere der Ausstellung ist es, diese 83 Skulpturen, die auf wunderbar leichten Gestellen in der Arbeitshöhe ihrer Entstehung präsentiert werden, wieder in den Kontext der Kunst einzubetten. So korrespondiert „der Königstiger“ mit Gaugins „Tahitianischen Fischerinnen“, der „Bettelnde Elefant“ mit impressionistischen Gemälden, während das Finale im Caspar David Friedrich Saal ausgetragen wird. Von dort aus erscheint der „Kleine dressierte Elefant“ vom Beginn des Rundgangs, der erst zehn Jahre nach Rembrandts Tod zur Kühlerfigur des legendären Bugatti Royale umfunktioniert wurde, geradezu übermütig.

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Die Ruhe, die Leichtigkeit, die Erhabenheit, die von den Plastiken ausgeht, die fein, fast zärtlich gestaltete Muskulatur, die Gestik, die Körperhaltungen, die anmutige Innigkeit der Paarungen, die in den Augenblick der Abbildung geronnene Individualität zeigen einen beobachtenden Künstler, der sich in sein Gegenüber hineinversetzt und dessen Seele erkundet hat.

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Die Alte Nationalgalerie ist mit der Ausstellung zu einer Art Arche Noah geworden, und an Land gehen die Schöpfungen Rembrandt Bugatttis, mit uns seine Empfindsamkeit zu teilen.

REMBRANDT BUGATTI

ALTE NATIONALGALERIE 28. MÄRZ- 27. JULI 2014

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www.rembrandtbugattiinberlin.de

 

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