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8. BERLIN BIENNALE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST

8. BERLIN BIENNALE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST

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 „Making art is a private affair. Looking at art is a private affair.“, sagt Juan A. Gaitán, der Kurator der 8. Berlin Biennale, die heute Abend eröffnet wird und bis zum 3. August ein Kaleidoskop zeitgenössischer Kunst an vier verschiedenen Orten in Berlin offeriert (Haus am Waldsee, Museen in Dahlem, KW Institute for Contemporary Art, Crash Pad).

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Juan A. Gaitàn, Kurator

53 internationale Künstler und Künstlerinnen stellen auf der 8. Berlin Biennale aus. Zeit ist eine wichtige Balance, wenn man auf die Berlin Biennale geht. Ich habe mit den Museen Dahlem begonnen, wo asiatische Kunst und das ethnologische Museum seit mehr als 50 Jahren Zuhause sind. Ein Haus, das ganz in der Tradition der Humboldt Brüder seine eigene Dramaturgie hat. Das Besondere an diesem Biennale-Ort ist, dass die zeitgenössische Kunst zwischen den bestehenden Sammlungen gezeigt wird.

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Juan A. Gaitàn erzählt, dass zeitgenössische Kunst einen Platz in Museen haben sollte, dass an diesen Orten vielmehr die Möglichkeit bestehen würde, dass sie wahrgenommen wird. So ist es ein Schwanken zwischen den verschiedenen Epochen und Räumen, wenn man nach den Vitrinen der Bergvölker Südostasiens oder indianischer Ausstellungstücke, wie einem Pfeifenkopf in Vogelform der Cherokee aus dem 19.Jahrhundert im nächsten Raum z.B. die Videoinstallationen „Funland“ (2014) von Bani Abidi sieht. Ein Mann auf einem Plastikstuhl sitzend, es gibt viele davon, der wie im Kino auf das Meer blickt.

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Einige Künstler beziehen sich auf die ethnologischen Exponate. So setzt Carsten Höller mit seinem Beleuchtungssystem 500 Jahre alten Schmuck aus Mexiko und Costa Rica in ein Flimmern, das dem Herzrhythmus nahe kommt und mich denken lässt, lange kann ich hier nicht drin bleiben. Die Goldstücke flimmern noch lange nach.

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Ganz in der Tradition der Humboldt Brüder: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln hat Alberto Baraya Herbarien der künstlichen Natur aus Plastikpflanzen, Holz-Obst & Gemüse angelegt, die in ihrer reinen Anordnung wunderschön aussehen.

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Im Eingangsbereich läuft man über einen Boden mit schwarz/ weißen Ornamenten, Lampen mit weißen Kugelblüten stehen vereinzelt, eine Einladung zum Flanieren vergangener architektonischer Zeiten mit Lust in der nächsten Eisdiele ein Phantast Eis Moskauer Art zu kaufen.

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Ein Teil der Arbeit „Szondi/ Eden“ (2014) von Olaf Nicolai. Der Boden stammt aus einem leerstehenden Einkaufszentrum an der Landsberger Allee in Berlin-Lichtenberg. Ich frage Olaf Nicolai wie er es findet, dass dieser Boden jetzt in den Dahlem Museen sei. Er meint, dass er hoffe, dass er sich auflösen wird. Im Endeffekt zähle in der Kunst der Eindruck, ob es wirkt oder nicht. An Zufälle glaube er nicht. Es gäbe nur eine begrenzte Kapazität oder eben Unfähigkeit, Dinge aufzunehmen.

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Die Installation von Saâdane Afif „Là-bas“ (2014), ein Bahnhofschild mit dem Ortsnamen Düren und den Original-Ansagen der Deutschen Bahn App, wann der nächste Zug nach Siegen oder sonst wo fährt, hat mir gefallen. Die Frage danach, wo wir, die anderen sind, sich zu entscheiden, ob man hier oder dort sein will, das Vermissen, das Ankommen, Wegfahren, vielleicht ständig auf der Suche zu sein.

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Dazu Texte, Gedichte von Bekannten und Freunden des Künstlers, lösen ein Nachdenken über innere Unruhe und die Vielzahl der Optionen aus, die wir uns oft freihalten. Ich fragte Saâdane Afif ob er lieber hier oder woanders wäre. Er sagt:„Ich bin seit zehn Jahren in Berlin.“, und meint danach, dass er unter den Umständen und Ergebnissen der französischem Europawahl auch nicht zurück kehren werde. Er freue sich und das wäre fast paradox, dass sich Deutschland mittlerweile in Europa zu einem Garant für Demokratie entwickelt habe.

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So läuft man von einer Überraschung zur nächsten, bei zeitgenössischer Kunst weiß man nie, was einem im nächsten Raum erwartet, wie zum Beispiel die Porzellan Hunde vor Notenständern. Der helle Holzoden gibt etwas Ruhe, die alten Sammlungen des Museums Beständigkeit.

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Immer wieder zog es mich in den Raum mit den Piktogrammen von Beatriz González. Zeichnungen in symbolhafter Form, Schablonen von Menschen, die Dinge tragen: Ein Klavier, eine Matratze, Mülltonnen, einen Schrank, ein Kind. Männer, Frauen, Kinder schleppen, was ihnen wichtig ist, was sie retten wollen?

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Erst später sehe ich die Zeitungsausschnitte von Katastrophen, Regenfällen wird berichtet, panische Versuche Hab, Gut und Leben zu retten. Die persönliche Krise wird zur Krise im Allgemeinen. Stopp sagen die Schilder, Achtung, weiter oder nicht weiter.

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Existenz festgehalten in feinen Linien, Schattierungen. Eine sensible Arbeit über die ich sehr lange nachdenke.

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8. BERLIN BIENNALE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Eröffnung 28. Mai 2014, 19.00- 22.00 (alle Ausstellungsorte) bis 3. August 2014

Ausstellungsorte

waitamo_berlin_kunst_blogMuseen Dahlem- Staatliche Museen zu Berlin

Lansstraße 8

14195 Berlin

Di- Fr: 10.00- 18.00/ Sa- So: 11.00- 18.00

Haus am Waldsee

Argentinische Allee 30

14163 Berlin

Di- Fr: 10.00- 18.00/ Sa- So: 11.00- 18.00

KW Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69

10117 Berlin

Di- So: 12.00- 22.00

Crash Pad c/o KW Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69/ Vorderhaus 1. OG

10117 Berlin

Di- So: 12.00- 22.00

www.berlinbiennale.de

    (photos © hannes hametner)

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