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VON KLEINEN & GROSSEN ABHÄNGIGKEITEN

VON KLEINEN & GROSSEN ABHÄNGIGKEITEN

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Den Spruch: „Zeit heilt alle Wunden“ benutzen wir oft, wenn es darum geht Freunde zu trösten, die eine Enttäuschung oder Verlust mittleren bis schweren Grades zu überstehen haben. Natürlich weiß man, dass es der Wahrheit entspricht, genauso aber auch, dass es dem Zuhörenden wie ein Witz aus weiter Ferne vorkommen muss, dessen Pointe er nicht verstehen kann, weil ihm/ ihr in diesem Moment nichts zu helfen scheint.

Das Interessante an der Sache ist, dass vergehende Jahre und Erfahrungen etwas in einem Hinterlassen: seien es Beziehungen, erfüllte Versprechen & nicht Gehaltene (von einem selbst oder Anderen), dass man irgendwann begreift, wirklich alles kann vorbei gehen. Ich erinnere mich, dass ich mir mal eine Faustregel aufgestellt habe, das sich z.B. Liebeskummer nach 90 Tagen so erledigt haben müsste, dass man die Möglichkeit hat, ohne zitternde Hände und Atembeschweren an dem Verantwortlichen des eigenen Unwohlseins vorbei laufen zu können.

Vielleicht sind es die Erfahrungen, von kommendem und vergehendem Glück, die mich dazu gebracht haben, mir in einer schönen lauen Nacht, die Zigarettenschachtel anzuschauen und mir einzugestehen, dass ich diese Abhängigkeit an mir hasse. Bestimmt, weil kein anderer „Schuld“ sein kann.

Vor einer Woche habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten, manchmal muss man sich selber reden hören, um zu begreifen, was man will, ich sagte zu ihm: „In eine Welt ohne Zigaretten und Handys würde ich sofort wechseln.“ War es Übermut oder ein langer Wunsch, die Schachtel bekam ihren euphorischen Kick (weit flog sie) und ich dachte, diesmal schaffe ich es: Na, Los!

Am Morgen, sage ich mir jetzt selber: „Alles geht vorbei.“ Ich gehe viel spazieren, erzähle meinen Kindern, dass ich das Geld zurück legen könnte, sparen für ein Häuschen in Südfrankreich. Ich denke mir, wenn ich das jetzt schaffe, jeder optionale & zukünftige Herzschmerz relativierter sein könnte und plötzlich ist sie wieder da, die Sucht, die ohne Aufforderung in meinem Kopf fragt: „Warum willst Du ein Häuschen in Südfrankreich, wenn Du den Espresso zwischen Lavendel und Himmelsblick ohne Zigarette sowieso nicht genießen kannst?“

Da hilft nur, immer wieder, und nochmal zu murmeln: „Alles geht vorbei.“, auch dieser destruktive Charakterzug.

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