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ABSCHIED VON DEN ELTERN ODER WAS IST FREIHEIT?

ABSCHIED VON DEN ELTERN ODER WAS IST FREIHEIT?

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Museen in Kopenhagen sind offene Orte, genauso wie Freibäder dort keine Kassenhäuser haben. Als es am Nachmittag plötzlich anfing zu regnen, fuhren wir mit den Rädern gerade durch die Oster Volgade vorbei am Rosenborg Schloss Garten. Überhaupt kann man eine Stadt auf dem Rad anders, als wäre man in einem Film, wahrnehmen. Man sieht Paare auf Cafè-Terassen lachen, schweigen, streiten. Jungs beim Skaten, Mädchen shoppen, Ströme an den Ampeln warten, Orangen und Pfirsiche vor Läden getürmt, der Duft des Meeres zwischendurch, wie sich Stadtviertel in ein paar Metern verändern, was Architektur ausmacht, ob man in einem Backsteinhaus, wie viele andere, mit kleinen weißen Fenstern wohnt, nicht ganz klar, was einen unterscheiden könnte oder in einem freistehenden Garten-Haus in Vesterbro.

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Wir gingen auf einen Sprung ins Staatliche Museum für Kunst. Ein hohes großes Haus mit offenen Türen. Man kann einfach ohne Ticket hineinlaufen und beim Atmen merkte ich, wie schön es ist Platz und Raum zu haben, wenn das Licht große Flächen teilt, die Absätze durch die Gänge hallen, vor den Fensterfronten zum Park die Treppenstufen Plätze zum Sitzen, Nachdenken, Träumen, Nichtstun werden.

waitamo_by_tanja_nedwig_moments_in_CopenhagenMeine Kinder fanden hinter einer Kordel ein Faltspiel „Himmel & Hölle“ mit Fragen, wie hinter der Nummer 8: „Wo findest du hier Freiheit für dich?“
Eine Antwort: „Wenn ich mir gerade überlege, wo ich hier mein Schlafzimmer einrichten würde und wo die Küche.“, soviel Licht und Weite fände er großartig und fragte, wo denn für mich die Freiheit wäre. Die hatte ich kurz zuvor in einem Wohnwagen der Ausstellung: „Abschied von den Eltern“ von Henrik Olesen gefunden. Blaue Gardinen, Hänge-Lampen über dem Tisch, Sitzbänke für die ganze Bagage. Es könnte auch Beklemmung bedeuten, eine kleine Zelle aus der man nicht so schnell hinauskommt, obwohl der Absprung mit der Tür zur großen Welt oder Parkplatz einfach scheint. Der Camouflage-Look des Wohnwagens von außen, bestimmt auch ein Wunsch, nicht erkannt zu werden oder dass die Anderen nicht so genau hinschauen, was bei den Nachbarn auf engem Raum passiert. Schön ist ja, dass jeder sieht bzw. denkt, was er will und ich wollte: Es ist nicht viel, was ich brauche, um sich zusammen auf den Weg zu machen.

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Mein anderer Sohn war mit dem Faltspiel dran. Bei ihm stand geschrieben, im ersten Stock in die Ausstellung „Danish and Nordic Art 1750- 1900“ zu gehen und im Zeichenraum 226 aufzumalen, was ihn an Freiheit erinnern würde. Leider war es schon fünf Minuten vor Schluss. Aber wir wollten es unbedingt finden, rannten durch die Räume, lachend: Wo ist Freiheit für Dich, wo?
„Das Segelboot und ein Feld mit Bauern drauf unter freiem Himmel.“, sagte er laut atmend.

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STATENS MUSEUM FOR KUNST
Di- So: 10.00-17.00/ Mi: 10.00-20.00/ Mo: geschlossen
Sølvgade 48-50
1307 København K

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