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PIER PAOLO PASOLINI: „MEINEN UNVERSEHRTEN TRÄUMEN VON POESIE…“

PIER PAOLO PASOLINI: „MEINEN UNVERSEHRTEN TRÄUMEN VON POESIE…“

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PASOLINI ROMA IM MARTIN-GROPIUS-BAU
Rom kann eine düstere Stadt sein, stehen geblieben unter dem Ballast vergangener Geschichte, nicht vergehender Konventionen und sie kann Inspiration und Neuanfang bedeuten. In der Ausstellung Pasolini Roma, die seit gestern im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, kann man sich Rom, ihrer Anziehung, offerierten Chancen, Freundschaften, Liebe und Entfremdung aus dem Blickwinkel von Pier Paolo Pasolini nähern.

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Jede Liebe hat ihre eigene Wirklichkeit, so auch die von Pier Paolo Pasolini zu Rom, wo er am 28. Januar 1950 mit seiner Mutter am Hauptbahnhof ankam: „Ich floh mit meiner Mutter, einem Koffer und ein wenig Schmuck/ der sich als falsch herausstellte/ im Zug, langsam wie ein Güterzug/ durch die friaulische Ebene, unter ihrer dünnen und harten Schneeschicht….“

Eine Ausstellung, wie ein Film, indem der Filmemacher und Schriftsteller Pier Paolo Pasolini aus einer vergangenen Zeit präsent ist, losgelöst von der Realität und aktuell. So ist es wahrscheinlich, wenn Ideen, Zeilen, Bilder eine Anziehung haben, weil sie instinktiv aus Wünschen, oft Sehnsucht entstanden sind.

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Pier Paolo Pasolini hatte zeitlebens die Erinnerung an Armut und damit einhergehend Träume von schönen Dingen, die man sein eigen nennen könnte: „Und eine Wohnung, in Bezirken, wo die Leute einen in Ruhe lassen, eine Wohnung im sonnigsten Stockwerk, mit drei, vier Zimmern und einer verlassenen Terrasse, aber mit Rosen und Zitronenbäumen…“ (Aus: Mein Verlangen nach Reichtum, 1961)
Nach seiner Ankunft in Rom lebte er mit seiner Mutter in einem Ghetto am Ponte Mammolo, er brauchte drei Stunden, um an die Privatschule zu kommen, an der er als Lehrer von sieben Uhr morgens bis zum Nachmittag arbeitete und danach schrieb.

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“Doch es war Italien, Italien, nackt und wimmelnd mit seiner Jugend, seinen Frauen, seinen Gerüchen von Jasmin und armen Suppen, den Sonnenuntergängen über den Feldern an Aniene, den Müllhalden: und was mich betrifft, meinen unversehrten Träumen von Poesie.“ (Aus Poeta della Ceneri, 1966- 1967)

„Es war die Zeit von Fahrraddiebe“ und Pier Paolo Pasolini fing an für die Filme von Anderen zu schreiben, wie für Fellini, Bolognini oder Bertolucci. Mitte der 50er Jahre zog Pasolini ins Zentrum von Rom. Er begann zum Zirkel der Intellektuellen dazu zu gehören, genauso wie er geographisch in der Mitte Roms wohnte und seinen ersten eigenen Film „Accattone“ (1961) drehte.

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„Accattone“ Locations

Pasolini, der homosexuell war, 33 mal von Justiz u.a. wegen Verunglimpfung der Religion angeklagt und 33 mal freigesprochen wurde, drehte radikale Filme, die Armut, Randgruppen, Sexualität und die katholische Kirche thematisierten.
Die audiovisuellen Collagen der Ausstellung nehmen einen mit ins Rom der 60er und 70er Jahre, wie die Diskussion zwischen Pasolini und seiner Hauptdarstellerin Anna Magnani aus dem Film „Mamma Roma“ (1962).

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Pasolini zieht aus dem Zentrum Roms hinaus an die Küste, genauso wie er New York entdeckt und Paris optional betrachtet. 1975 wird er leblos in der Nähe von Ostia aufgefunden.

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Das Meer von Sabaudia, Blick aus dem Haus von Pasolini, 2013

Ich mag den Dichter und Schriftsteller Pier Paolo Pasolini. An den Wänden des Martin-Gropius-Bau hängen Gedichte von ihm, wie:

„Erwachsen? Nie – niemals, wie das Leben
das nicht reift – immer unfertig bleibt,
von einem herrlichen Tag zum anderen –
kann ich nicht anders als treu festhalten
an der wunderbaren Gleichförmigkeit des Geheimnisses.
Darum habe ich mich glücklichen Momenten
nie hingegeben – darum
in der Bangnis meiner Verfehlungen
nie an wahrhafte Reue gerührt.
Einig, immer einig mit dem Unausgedrückten,
am Ursprung dessen, der ich bin. (Aus: Diario, 1950-53)

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PASOLINI ROMA
11. September 2014- 5. Januar 2015
Martin-Gropius-Bau Berlin
Mi- Mo: 10.00- 19.00 (Dienstag geschlossen)
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin-Kreuzberg

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