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#ACHTENS: ABSCHLUSSAUSSTELLUNG OSTKREUZSCHULE IM SEZ

#ACHTENS: ABSCHLUSSAUSSTELLUNG OSTKREUZSCHULE IM SEZ

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(Sarah Walzer: Junge Siegerin)

Abschlussausstellungen sind etwas Besonders. Man kann sich noch die Gruppendynamik vorstellen, bevor die Absolventen offiziell ihren eigenen Weg gehen. Der achte Jahrgang der Ostkreuzschule für Fotografie zeigt seine Arbeiten an einem interessanten Ort, dem SEZ. Das Sport und Erholungszentrum, Juwel vergangener sozialistischer Sport- und Freizeitgestaltung, Ausflugsziel ganzer Schuljahrgänge, um eine Schwimmhalle mit Wellenbad in echt zu erleben,  noch einen Schweden-Eisbecher oder Bockwurst im Badeanzug an der Hallentheke zu verdrücken, bevor man vom Startblock geschupst wird.

Heute erinnert kaum noch etwas an den organisierten Ausflugs-Spaß von damals, ein schöner Ort für eine Fotografie-Ausstellung, zwischen 80er Jahre Architektur, verlassenen Sporthallen, abgeplatztem weinroten Lack an den Balustraden und den herbstlichen Farben des anschließenden Friedrichshain-Parks.

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28 Schüler aus den Klassen von Sibylle Fendt, Ute Mahler und Ludwig Rauch zeigen ihrer Arbeiten, ein Querschnitt verschiedenster Blickwinkel, Genres und Interpretationen von Zeitgeschehen, Dokumentation, Generationsporträts, Stillleben, Historie und dem Ansatz Geschichten mithilfe von Serien zu erzählen, Räume für Spekulationen oder besser Emotionen offen zu lassen.

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Susan Petzold: Beifahrerseite

Die Arbeit „Logistische Landschaften“ von Carl Christian Schmid geben Ruhe, alles scheint geordnet im Fluss und erinnern mich ein wenig an Andreas Gurskys Art den Rhein zu sehen.

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Carl Christian Schmidt: Logistische Landschaften

Mit „Die Stadt der Zukunft“ widemt sich  Robert Funke dem Leipziger Neubaugebiet Grünau. Man selber will es ja immer kaum wahrhaben, aber wenn man in so einem Viertel geboren worden ist, liebt man es oftmals, weil es zu einem dazugehört. Trostlosigkeit ist oft der Blick der Anderen von Außen, die sich ein Leben fern ihres eigenen Radius schwer vorstellen können. Robert Funke stellt Architektur, Natur und Mensch gegenüber. So wirkt ein hochgewachsener Neubauviertel-Baum wie aus dem Amazonas grün und stark. Ein schönes Bild für die Berechtigung von individueller Geschichte.

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Robert Funke: Die Stadt der Zukunft

Beeindruckend das Porträt eines jungen Deutsch-Irakers von Roman Kutzowitz. Unter dem Titel „Pinocchio“ dokumentiert Roman Kutzowitz die Versuche des Jungen in Berlin seinen Weg zu finden, der durch Gewalt, Zwangsheirat, Flucht und Süchte, nicht als solcher erkennbar ist. Eine Dokumentation über zwei Jahre. Die abfotografierte Todo-Liste mit Punkten, wie: „Schuldenplan einrichten, Malte die Gitarrenseite kaufen, Geld zählen!, Schule lernen!, Job suchen!“, stehen Fragen gegenüber wie: „Warum höre ich auf, sobald es keinen Spaß mehr macht?“ Tattoos und Shisha Pfeifen, Graffiti Tags und ein Eddingspruch auf einer rollenden Holzkiste über den ich noch lange nachdenke: „Man sollte das schätzen, was man hat. Und das bevor man es hatte!“

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Roman Kutzowitz: Pinocchio

Fasziniert war ich von Sarah Walzer und ihrer Serie: „Junge Siegerin“ (Titel). Mädchen, Kinder, manche am Übergang vom Kind- zum Frausein, spontan in Parks oder Berliner Freibädern fotografiert. Mit herrlich trotzigen Blicken, wunderbar inszeniert mit Gestus, Haltung und Licht. Eine wiedererkennbare selbst gefundene Handschrift zieht sich durch diese Serie.

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#achtens
18.- 26. Oktober 2014/ Mo-So: 11.00- 21.00
SEZ Berlin
Landsberger Allee 77
10249 Berlin-Friedrichshain
www.achtens.com

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photos © hannes hametner

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