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SCHÖNE ORTE IN BERLIN: DAS SAVOY HOTEL

SCHÖNE ORTE IN BERLIN: DAS SAVOY HOTEL

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Manchmal braucht es einen kleinen Anstoß, um in der eigenen Stadt ein Hotel zu besuchen, dabei sind es oft Häuser, die eine anderes Zeitgefühl vermitteln oder vielmehr Menschen ein temporäres Zuhause geben, die nicht dem Alltag dieser Stadt verbunden sind. Wenn ich früher über Schriftsteller, wie Ernest Hemingway nachgedacht habe, der sich Anfang der 20er Jahre täglich in ein Pariser Café setzte, um dort seinen Roman „Fiesta“ zu schreiben, konnte ich mir schwer vorstellen, wie er sich in der Öffentlichkeit konzentrieren konnte. Ich dachte, da muss doch Ablenkung vorprogrammiert gewesen sein, beim Klappern der Teller, Gelächter vorbeilaufender Frauen, der gerufenen Bestellung eines hungrigen Gastes oder dem Getuschel des Personals, wenn der Chef mit dem Automobil zu einer Verabredung mit einem angeblichen Weinhändler fuhr. Aber ich glaube, dass ich es jetzt verstanden habe, dass es gehen kann, wenn man eben zum Haus dazu gehört, unkompliziert klar ist, dass es seine Richtigkeit hat, lange und einfach so bei einem Espresso oder Glas Wein am Tisch zu sitzen und das Leben dreht sich weiter.

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Als ich vor ein paar Tagen das Charlottenburger Savoy Hotel besucht habe, ich wollte mir die Fotoausstellung „Nostalgie“ von Benyamin Reich ansehen, ein herrlicher Nebeneffekt vom Monat der Fotografie, dass es Ausstellung an den verschiedensten Orten gibt, fühlte ich mich im Savoy sofort in eine andere Zeit versetzt. Das Savoy öffnete 1929 erstmalig seine Türen, war britisches Hauptquartier nach dem Krieg, Greta Garbo, Romy Schneider, Thomas Mann und Henry Miller gehörten zu den wiederkommenden Gästen.

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Die Mittagszeit war gerade vorbei, im Restaurant mit weißen Blumenbouquets, roten Ledergarnituren, frisch eingedeckten Tischen, saß noch eine Dame bei einer letzten Suppe. Kellner mit blütenweißen Schürzen liefen über das knarrende Parkett, um die Vorbereitungen für das Abend-Gedeck zu treffen.
Im anliegenden Salon Belvedere sind die Arbeiten des Israelis Benyamin Reich, der seit 2009 in Berlin lebt, zu sehen. Es ist eine kleine Ausstellung mit Blick in den Garten, verschlossenem Weinschrank und schwingender Tür in die Küche.

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Auf dem einen Foto ein Palmenwald, es könnte auch ein europäischer Mischwald sein, der wie ein Print wirkt mit lockerem Boden, wahrscheinlich gibt es viele Wege, wie man ihn durchqueren kann. Ich setze mich auf ein rotes Sofa, zwei ältere Russen nehmen einen Kaffee, ich mag die slawische Intonation, die Ruhe eines Männergespräches.

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Zwei Lichtkästen hängen über einem Lampenschirm. Ein Jüngling ruht im Meeresschlack, ein Ruderboot entfernt sich, beobachtet durch die Dünen.

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Der Wald, Lichtungen, versperrte Wege, das Weggehen sind die Themem von Benyamin Reich. Ich mochte das Foto mit einer erleuchteten Dorfstraße, es hat geregnet, eine kleine Schiene führt durch das Feld, vielleicht hinaus.

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Aus dem Restaurant tönt leise Saxophonmusik vom Band, ich nehme mir eine Tageszeitung, bestelle einen Espresso allein in dem großen Saal mit gestärkten Tischdecken, polierten Gläsern, vorbeilaufenden Kellnern, charmanter Freundlichkeit alter Schule und Dielen mit Geschichte.
Die Times Bar des Hauses habe ich mir noch aufgehoben.

waitamobytanjanedwig_hotelsavoySAVOY HOTEL BERLIN
Monat der Fotografie Berlin: Benyamin Reich „Nostalgie“
Bis 16. November 2014/ Mi- Sa: 12.00- 19.00
Fasanenstraße 9/10
10623 Berlin-Charlottenburg
www.hotel-savoy.com

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