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MY INTERNATIONAL FRIEND

MY INTERNATIONAL FRIEND

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Vielleicht zweimal im Jahr bekomme ich eine mail von einer Freundin, sie ist in town. Sie lebt ein anderes Leben, als die meisten von uns und sagt oft, sie könnte niemals einen Bürojob machen, sie hat es versucht. Sie hat einen Travel-Agent in London, mal ist sie auf Bali, fährt zu Mönchen in ein chinesisches Kloster, früh um fünf über die Anhöhe laufend, nach Äthiopien mit einer Kamera im Gepäck, schläft bei fremden Stämmen unter freiem Himmel, erzählt von deren Frauen, die vor der Hochzeit sechs Wochen nicht aus der Hütte kommen dürfen, vielleicht erscheint die Ehe dann als wahres Feld der Freiheit, am nächsten Tag ist sie schon wieder in New York. Sie ist busy, arbeitet mit einem kleinen Laptop von unterwegs, Internet ist wichtig. Dann treffe ich meine Freundin, die so international aussieht, mit leicht gebräunter Haut, kaum Make-up, einem guten Lip-Balm in der Tasche, einem grauen Kaschmir-Schal über dem Travel-Wool-Coat, blondem Haar und eben diesem Gesichtsausruck, der sagt, ich bin unterwegs: immer. Wir unterhalten uns in einem Cafè an der Schönhauser Allee, die U-Bahn rauscht vorbei, eine Mutter auf dem Fahrrad und roter Nase tritt gegen den Wind an, wir teilen uns einen Brownie, die Schönhauser Allee wirkt durch meine Freundin anders auf mich, ein Mini-Splitter in der Welt,  der mich ab und an in eine Ecke drängt, Dinge vorbestimmt erscheinen lässt. Es gibt viele Möglichkeiten zu leben, manchmal bestimmt ein Ort oder ein kurzer Wechsel, ob Menschen über uns sagen: „Sie ist so eine lustige Person, ihr Lachen unglaublich.“
Meine Freundin erzählt von der Freundlichkeit der New Yorker, dass sie ihren Aufenthalt dort gern verlängert, weil man allein reist und doch nicht allein ist, wo viele fragen, wie es einem geht, ist doch Scheiß egal, ob es ernst gemeint ist, und dass die Bluse, die man gerade in einer Boutique anprobiert hat: „amazing“ aussieht. Während sie erzählt, reise ich mental mit, lache über ihre Anekdoten, halte ihre Hand kurz, dann ist schon wieder Zeit bye-bye zu sagen, die Schönhauser Allee ist nicht mehr so provinziell, ich habe auf einmal Lust auf London und erinnere mich, wie gern ich in Heathrow landete und dass ich aufgeregt war, weil in London oft Verrücktes passierte mit Akkuratesse. Das Gefühl war schön, ich sagte, ich muss jetzt nach Hause, meine Kinder kommen gleich vom Training, ja ich mache heute Schnitzel, einmal am Tag essen wir zusammen, wir drückten uns, sie fuhr mit einem Carsharing Auto weiter, see you.

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