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A MOMENT WITH:IVAN MANDZUKIC VOM FASHION LABEL IVANMAN

A MOMENT WITH:IVAN MANDZUKIC VOM FASHION LABEL IVANMAN

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Die Berlin Fashion Week geht ab kommenden Montag in eine neue Runde. Die Herbst/Winter Trends 2015 werden präsentiert. Ivan Mandzukic, der gleich am ersten Tag seine aktuelle Kollektion zeigen wird, designt mit seinem Label IVANMAN Männer-Mode im Spiel charmanter Lässigkeit mit klassischen Basics. Eine Kombination, die Brüche darstellen kann aber nicht muss.
2006 kam Ivan Mandzukic von Serbien nach Berlin, ursprünglich wollte er nach Frankreich und zum Theater. Über Umwege, eigentlich hat er Informatik studiert, kam er zum Mode-Design Studium an der Esmod Berlin und von der Frauen- zur Männer-Mode. Ich bin mit Ivan Mandzukic an einem Vormittag in seinem Studio in der Köpenicker Straße verabredet. Man hat eine wunderbare Aussicht – strukturiert durch die feingraphische Aufteilung der Fensterfronten- über selten werdende Berliner Freiflächen und neu entstehende Gewerbehöfe. Während Ivan Mandszukic einen Kaffee macht, bewundere ich die riesigen Bücherregale an den Stirnseiten des Studios. Architektur- und Kunstbände reihen sich neben Philosophiebücher und Belletristik.

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Ivan Mandzukic erzählt, dass er bevor er Mode gemacht hat, mehr Zeit zum Lesen gehabt hätte. Leise klassische Musik macht aus dem diesigen Berliner Regenlicht einen zeitlosen Ort mit positiver Arbeitsatmosphäre. Die fertige Kollektion hängt auf den Kleiderstangen, Moodboards mit Architektur-Collagen zwischen zwei Fenstern.

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Auf einem anderen Tisch liegen die Farbbänder der aktuellen Kollektion, Schneiderpuppen mit Fensterblick, alles scheint seinen Platz zu haben. Ivan Mandzukic wirkt entspannt und man merkt, dass er seine Arbeit sehr mag.

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Du bist ja nicht auf direktem Weg Modedesigner geworden, wie kam es dann doch zu der Entscheidung?
Ich habe Informatik studiert und auch in dem Bereich gearbeitet, wollte aber eigentlich immer zum Theater. Das Mode-Design Studium an der Esmod Berlin hat sich per Zufall ergeben. Am Angang konnte ich damit auch nichts anfangen, ich war null informiert und wollte während des Studiums bestimmt an die einhundert Mal aufhören. Aber es hat sich gelohnt. Die Esmod ist eine sehr gute Schule, man lernt dort sehr gut die Schnitttechnik und ist am Ende des Studiums in der Lage, seine eigene Kollektion zu entwerfen. Das ist nicht überall so.

Warum hast Du Dich für Männermode entschieden?
Das hat sich während des Studiums ergeben. Vielleicht kommt es auch von meinem Informatik Hintergrund, wo man sehr auf das Detail achtet, genau wie bei der Männermode. Da muss man sehr genau arbeiten. Obwohl die Details nicht der ausschlaggebende Punkt sind, vielmehr geht es mir bei der Mode, um ein Bild, das ich schaffe.

Wie wichtig ist für Dich die Präsentation auf der Berlin Fashion Week?
Ich bin jetzt das vierte Mal auf der Berlin Fashion Week dabei. Für mich ist es sehr wichtig, dabei zu sein. Man wird wahrgenommen, obwohl es verkaufstechnisch nicht so einfach ist. Ich bekomme viel Feedback von außerhalb, wie zum Beispiel aus England. Berlin ist nicht Paris, sagt Berlin über sich selber, vor allem die deutsche Presse. Trotzdem schaut die Welt nach Berlin. Genauso wie deutsche Musiker international bekannter sind als in Deutschland, wie zum Beispiel die Berliner Band „Laub“.

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Was macht den Fokus der Berliner Mode aus?
Ich denke nicht, dass es einen speziellen Fokus gibt. Die Leute sagen zwar, Berlin ist bunt und verrückt, aber das verändert sich. Berlin passt sich in der Entwicklung den anderen Mode-Metropolen, den großen Tendenzen an. Berlin selbst hat da keine eigene große Tradition.

Du zeigst Deine Mode auch auf Schauen östlicher von Berlin, wie Minsk, Zagreb oder Belgrad. Wo liegt der Unterschied zu Berlin?
Man verkauft sehr gut. Kroatien hat mir zum Beispiel direkt nach dem Studium ermöglicht, eine eigene Show zu haben. Man denkt immer in Berlin wird besser verkauft, aber ich habe sehr gute Order von diesen Messen.

Direkt nach dem Studium an der Esmod hast Du vor vier Jahren Dein eigenes Label gegründet. Wusstest Du vorher, was auf Dich zukommt?
Eigentlich nicht wirklich. Ich wusste von Anfang an, dass es schwierig ist, aber ich wusste auch, dass ich es schaffe. Ich habe immer Fortschritte gemacht und das motiviert mich. Wenn ich mir zum Beispiel überlege, dass ich vor zwei Jahren noch fast gar nichts verkauft habe und wo ich jetzt stehe. Es geht darum, sich die Bescheidenheit zu bewahren, ich brauche diesen Optimismus.

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Was ist das Schönste an Deinem Beruf oder ist es Berufung?
Der Prozess. Das es einen Anfang gibt, einen Zusammenhang. In der Mode gibt es zwei verschiedene Seiten. Eine der Präsentation, wie auf der Fashion Week. Das ist manchmal nicht ganz so meins und auf der anderen Seite steht der Prozess. Das ist man Künstler und diesen Teil des Arbeitens mag ich sehr.

Und, was ist das Schwierigste?
Das Marketing. Leue zu überzeugen ist überhaupt in der Mode sehr schwierig. Ich denke, es muss organisch wachsen.

Gibt es einen Prototypen Mann, für den du designst oder eine Ideal-Vorstellung?
Ich zeichne nicht viel. Ich arbeite eher intuitiv. Die Vorstellung kommt aus einem Moment heraus. Ich habe eine Silhouette im Kopf, mein Papier ist in meinem Kopf. Dort entstehen die Entwürfe. Was ich darstellen will, ist schwer zu zeichnen, also es gibt keine direkte Vorstellung.

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IVANMAN Collection Winter 2014

Deine Kollektionen sind sehr schöne Kombination von klassischen Basics wie Jackets oder Mänteln zu lässig sitzenden Anzughosen oder engen Rollis. Magst Du das Spiel zwischen Klassik und lässigem Charme?
Das gehört zu meinem Konzept. Durch Lässigkeit versuche ich konservative Personality zu durchbrechen. Es soll tragbar sein. Ich versuche mit Farben, ein Bild zu zeigen, welches meine Mode als Marke zeigt.

In Deiner jetzigen Winter-Kollektion sind Farb-Kombinationen wie Bordeauxrot mit Marsala aktuell, für den Sommer 2015 blau mit grün und weiß. Farb-Gegensätze gehören also zu Deinen Stilmitteln?
Ja,( lacht er). Meine Hauptbeschäftigung sind die Farben. Es ist schwierig sie zu kombinieren und sehr wichtig. Am Anfang habe ich noch mit Prints gearbeitet, das kam vielleicht aus der Architektur, von der ich viel gelernt habe, auch sich etwas zurück zunehmen, um eine Linie hineinzubekommen.

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IVANMAN Collection Spring Summer 2015

Minimalistische Items wie Rollis und Hemden sind Basics, die sehr cool in ihrer Schlichtheit und Perfektion wirken. Wie wichtig ist Selbstbewusstsein beim Tragen von Deiner Mode?
Das ist nicht unbedingt notwendig. Es geht bei einer Kollektion auch zum einen um die Show, zum anderen um den Verkauf. Man kauft einzelne Teile und kann selbst entscheiden, inwieweit man auffällt. Aber für eine Marke ist es wichtig zu experimentieren, sich nicht der Masse anzupassen und Fortschritte zu machen.

Du magst das Rollenspiel zwischen maskulin und feminin. Eine Mischung sensibler Intelligenz im Arrangement jugendlicher Männlichkeit. Wie männlich oder feminin siehst Du Deine Looks?
Das kommt wahrscheinlich noch automatisch aus dem Studium. In den ersten beiden Jahren macht man Frauen-Mode. Außerdem lass ich mich schon von den Kleiderschränken der Frauen inspirieren. Manchmal denke ich auch bei der Arbeit an einer Kollektion, dass ist viel zu konservativ, zu wenig authentisch und dann arbeite ich Übertreibungen ein. Das ist ein spannender Prozess.

Aktuell zeigt der Mann bei Dir bewusst Taille!
Ja. Von der Seite, in der Silhouette ist das sehr elegant.

Bei Deinen Kollektionen denke ich: Junge, Roadrunner, Intellektueller oder Businessman, jeder kann hier sein Outfit finden. Gibt es viele Optionen für den Mann heutzutage?
Das ist mir wichtig. Ganz oft sagen die Leute: Du musst für eine bestimmte Zielgruppe designen. Aber in der Realität sind es zum Beispiel die Anwälte, die in ihrer Freizeit mit der Mode experimentieren, kurz ausbrechen wollen. Es ist oft eine Frage des Zeitpunkts.

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Moodboard FW 2015

Deine Lieblings-Materialien?
Bei Männern kann man nicht soviel experimentieren. Ich mag Mischkombinationen aus feinen Stoffen, wie Kaschmirwolle und technischen Stoffen. Ich mag Brüche.

Welches Accessoire passt sehr gut zu Deiner Mode?
Lederrucksäcke.

Deine Trendfarbe für 2015?
Bunt in graphischen Kombinationen.

Bist Du Cosmopolit?
Weiß ich nicht. Ich bin mir da gerade nicht so sicher. Ich mag Berlin sehr, aber irgendwie auch nicht. Wenn es woanders hingehen sollte, dann nach London.

Inspiriert Dich Musik?
Ja, Klassik. Das beruhigt mich. Klassische Musik ist neutral, sie entspannt, dazu kann ich gut arbeiten.

Bist Du vor einer Show aufgeregt?
Nur ganz kurz davor, vielleicht eine Stunde.

Wie sieht ein normaler Tag bei Dir aus?
Um 10.00 bin ich im Studio und arbeite bis 17.00. Ich mag es nicht in der Nacht zu arbeiten. Ich bin lieber gut organisiert mit meinem Team. Wir machen einen normalen Feierabend. Mit der Kollektion war ich zehn Tage vor der Fashion Week fertig.

Was ist ein schöner Moment für Dich?
So genau kann weiß ich es gar nicht. Nach der Arbeit zu entspannen, aber nicht zu lange.

Merci Ivan!

www.ivanman.de

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