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A MOMENT WITH: MATHIAS VEF

A MOMENT WITH: MATHIAS VEF

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Welten, Philosophien, Religionen, die nebeneinander und eigenständig existieren können und mit der Zeit etwas Neues bilden, dafür steht in der kurzen Zusammenfassung der Begriff „Syncretics“. Gestern Abend eröffnete die „Syncretics“ Ausstellung, des in London und Berlin arbeitenden Künstlers Mathias Vef in der 3punts Galerie. Digitale Stilleben, Welten mit transformiertem Eigenleben, Natur und Zivilisation, Technik im Gegensatz und in skurriler Verbindung.

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Scion III, Mathias Vef

Mathias Vef ist wichtig, dass man sich in seinen Collagen verlieren, sich darauf einlassen kann, ohne alles verstehen zu müssen. Es geht ihm bei seiner künstlerischen Arbeit um den ästhetischen Aspekt des Unterbewußtseins. Der Techno-Sound der von seiner Video-Arbeit „I do me“ im Hintergund läuft, verstärkt den Eindruck in einer von uns Menschen geschaffenen Welt zu leben, auf der die Maschinen kurz vor der temporären Machtübernahme stehen. Die wuchernden Gebilde von wilder Flora und Fauna in bunt erscheinender Korallenpracht oder düsteren Algenschlingen könnten auch als Bedrohung gelten, setzten bei mir aber die Idee von möglicher neuer Freiheit durch. Ein Bestaunen fremder Welten, digitaler neuer Ökossysteme, deren Grenzenlosigkeit schön und fremd zugleich sind. Filigrane Blütenblätter, sehr zart wie kurz vor dem ersten Flügelschlag in Korrespondenz zu intergalaktischen Weltraumstationen, nicht ganz erkennbar, ob sie zerstört wurden oder erst im Aufbau sind.

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Detail aus Amphigony V, Mathias Vef

Mathias Vef hat sich vor der Eröffnung Zeit für ein Gespräch genommen. Die Galerie ist noch leer, die Getränke werden kalt gestellt, die Kataloge ausgepackt. Mathias Vef ist entspannt, er meint, die ganzen Vorebreitungen hätten super geklappt, wir sitzen im Hinterzimmer, Freunde und die ersten Gäste kommen langsam.
Der Ursprung unseres Lebens scheint Dich zu interessieren?
Ja, ich habe sogar mal Biologie studiert. Ich finde die Evolution spannend und faszinierend. Aber das Studium war mir irgendwann zu trocken und ich bin zur Kunst gekommen. Vorher habe ich in Berlin Club-Dekorationen gemacht, später Fotografie und habe dann die digitalen Collagen für mich entdeckt. Bei denen geht es um biologische Formen, Elemente in organisch wachsenden Gebilden. Unser ästhetisches Empfinden kommt ursprünglich von der Natur, den natürlichen Formen. Bei meinen Arbeiten geht es immer um ästhetische Richtlinien.
Ich sehe Deine digitalen Stillleben wie durch eine Schneekugel oder durch eine Taucherbrille.
Es sind sehr, sehr gute Prints, viel mehr als flache Bilder. Sie zeigen Beispiele von anderen Welten, erlauben einen komponierten Einblick.
Haben Deine Arbeiten etwas mit unsere Entfremdung von der Natur zu tun? Sind sie ein Spiegel für uns Stadt-Menschen?
Es ist ein bisjen wie bei der generativen Kunst, wo Computerprogramme ein Bild erschaffen, Visuelles mit eigenen Gesetzen erschaffen wird. Aber auch natürliche Gärten sind oft künstlich angelegt. Die Grenze zwischen Natur und Design ist für mich spannend.
In der Arbeit „Syncretics“ versinken z. B. Räder- und Maschinengebilde im Meer. Wunderschön, aber scheinbar nutzlos?
Es geht um die Frage, wie sich Technik heutzutage entwickelt. Früher konnte man ein Auto selber aufmachen und reparieren. Heute ist es eher wie eine blackbox. Kaum einer hat noch Zugang zu dieser Welt. Die Technik wird mehr und mehr zu unserer Natur, ähnlich den früheren Natur-Geistern und Dämonen unserer Ahnen, werden Objekte zu myterisösen Gebilden, von Firmen in Auftrag gegeben. Technik ist kaum noch erklärbar. Technik kann ähnlich wie Pflanzen schön und tödlich zugleich sein. Die Ambivalenz ist das Spannende.

Detail aus Amphigony V, Mathias Vef_waitamobytanjanedwig
Beim genauen Hinschauen kann man die verschiedenen Details ausmachen, z.B. bei der Arbeit „Crescent II“, wo Geschenkpapier-Blümchen wie ein Korallenriff am Roten Meer aussehen. Magst Du den weiten Blick?
Ja, mit simplen Sachen kann man viel Glanz reinbringen. Tiefe ist mir sehr wichtig.
Einige Arbeiten wirken künstlich und asiatisch inspiriert. Liegt die neue schöne Welt in Asien?
Interessant, unterbewußt vielleicht.

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Cresent II, Mathias Vef

Ich finde Deine Arbeit „Syncretics IV“ toll. Kopfhörer werden zu fliegenden Libellen-Kreationen. Magst Du Musik?
Auch unterbewußt. Natürlich beeinflusst sie mein Arbeiten, wie man sich vertiefen kann, ob sie einen antreibt oder in dunklere Sphären bringt. Ich suche sie aber nicht bewusst aus.

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Syncretics IV, Mathias Vef

Fährst Du selber Skateboard?
Ich habe es versucht. Ich finde Skateboards ästhetisch super schön, genauso wie Graffities. Ich fand die Kombination toll, dass wuchernde Objekte auf andere übergehen.
Sind Deine Arbeiten für Dich Parallel-Welten, Formen der Zukunft oder Träumerei?
Alles zusammen. In meinem Kunst-Studium „Interaction Design“ging es um Zukunftstechnologien, Sciene Fiction, Nano-Technologien, Politik als Design. Das Zukünftige ist spannend.

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Synthetic-Amphigony-Board-II, Mathias Vef

Du lebst und arbeitest in zwei riesigen Metropolen, London & Berlin, schnell und mit 1000enden Einflüssen. Wie könnte eine Syncretics von Berlin und London aussehen?
So schön Berlin ist, London hat eine ganz andere Energie. London ist krasser. In Berlin kann man es als Künstler ruhiger angehen lassen. In London arbeitet man zielgerichtetet und bewusster. Berlin ist toll zum Träumen, schön zum Entfalten. London ist doppelt so teuer.
Was liebst Du an Berlin?
Den Raum, den die Stadt einem gibt, in all seinen vielen Details. In London gibt es überall und für alles Regeln. Da stehen selbst in einem Club zwanzig Securities auf der Tanzfläche. In Berlin gibt es wenig Regeln und es funktioniert trotzdem. Ich mag die Menschen hier, eine skurrile Ansammlung.
Merci, Mathias!

MATHIAS VEF: SYNCRETICS
Galerie 3punts
13. Februar- 22. März 2015, Mo: 16.30- 20.30/ Die- Sa: 10.30- 14.00 & 16.30- 20.30
Auguststraße 50b, 10117 Berlin-Mitte
www.mathiasvef.com
www.3punts.com

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