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IF YOU COULD STOP TIME: HANNE LIPPARD/ FLESH IN DEN KW

IF YOU COULD STOP TIME: HANNE LIPPARD/ FLESH IN DEN KW

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Sonne im Winter macht dankbar, wenn sie nach längerer Dunkelheit kommt, am Sonntag unerwartet dazu, wo Zeit den Tag segnet. Ein kleiner Spaziergang den Weinbergsweg hinunter, Rauch steigt aus den Kaminrohren der Ackerstraße.

Ecke Torstraße Espressomaschinen im Schaufenster, silbern schön in kubistischer Form, lassen einen Espresso als Alternative für unsichtbaren Schmuck in der Schatulle zu. Die Frage wer solche Maschinen kauft, beantworte ich mir nicht. Verschiedene Geschichten könnten dazu passen, Küchen in innenarchitektonischer Akkuratesse.

Heute ist das Eröffnungswochenende der Ausstellungen von Ian Wilson und Hanne Lippard, der Eintritt ist frei. Der Weg zu den Kunstwerken über grobe Pflastersteine der Hofeinfahrt, grüne Metallbänke im Hof und einer anderen Berliner Zeit.

Der große Ausstellungsraum ist fast leer. Die Feuerlöcher an den Wänden bekommen Bedeutung. Erst einmal atmen, Platz und Raum als unerwarteter Luxus, eine Möglichkeit anders zu denken oder einfach ein paar Schritte zu laufen. In der Mitte eine Wendeltreppe mit Stäben hoch hinaus und Treppenstufen, fast scheinen sie apricot. Wir müssen in einer kleinen Schlange warten, bevor es spiralförmig nach oben geht.

Das Geländer verändert die Dimension, wird kleiner, das eigene ICH größer, je nachdem wie man es nimmt.  Ein Gefühl vom Kind in der Höhle, doch die Aussicht mit Fenstern in den Himmel, lässt mich in ein Raumschiff mit Bullaugen gleiten. Höhe und Tiefe. Enge und Weite. Geometrie und Licht. Festhalten und Loslassen. So sitzen die Erwachsenen manche mit Kindern an den Fenstern auf Holzbänken in einem viereckigem Raum, sich gegenüber, in der Mitte der Weg zurück über die Treppe.  Die Stimme von Hanne Lippard schallt durch den Raum, spielt mit Phonetik und Fragen. „Rome wasn´t  built in a day.“ Vom Ein- und Ausatmen spricht sie, vom Geben und Nehmen und der Frage wo man es herbekommen kann. Ab und an knallen Köpfe beim Aufstehen an die Decke. „Don´t hesitate“.  Eine ältere Dame erkundigt sich bei ihrem Begleiter, ob die Deckenhöhe wirklich 1,60 Meter sei, dann wäre sie unbemerkt um 10 Zentimeter geschrumpft.

Wann ist es zu spät, fragt Hanne Lippard : „If you could stop time, what would you do and why?“ 12 Minuten läuft das Band, genug Zeit um sich auf die Frage einzulassen: „What matters?“

Auf dem Weg zurück über die Treppenstufen, Schritt für Schritt richtet man sich wieder auf, läuft aufrecht zurück in die Welt und ich habe erneut eine Ahnung, was es heißt klein zu sein, körperlich und mental und wie schön es ist, wieder aufzustehen.

 

HANNE LIPPARD: FLESH
20. Januar- 9. April 2017

KW Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69
10117 Berlin

 

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