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KLEINE GEDANKEN ÜBER DIE LIEBE

KLEINE GEDANKEN ÜBER DIE LIEBE

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Vor kurzem habe ich einen Film gesehen, indem die Schauspielerin in einem New Yorker Apartment der 50er Jahre auf einem Scheselong lag, um die Hand auf der Stirn abzulegen. Leichter Rauch schwebte an der Salon-Tapete durch das Nachmittagslicht. Ich fand diese Geste sehr schön und hatte Lust, mir während der ersten sonnigen Nachmittagsstunden, die nach Frühling anmuten ließen, ein paar Gedanken über die Liebe zu machen.

Aufmerksamkeit, Geborgenheit, Vertrauen, Interesse, kamen mir spontan in den Sinn. Alles Dinge, die ihren Ursprung in der Kindheit haben und im besten Fall selbstverständlich waren. Später beim jungen Erwachsenwerden forderte man sie halb irritiert ein, weil sie doch mal normal schienen. Kompliziert nicht vorhersehbar wurde es durch den irrationalen Moment der Anziehung, der sich nicht steuern lässt.
Der Punkt an dem ich immer wieder hängenblieb, war das schöne Gefühl, ein mentales Zuhause mit jemanden zu haben und das sich eben doch nicht alles erklären lässt. Intuition kommt bestimmt hinzu. Eine Eigenschaft, die mit Abstinenz und Zeit einhergeht und sicher mit unseren neuen digitalen Werkzeugen ein wenig verloren geht. Ich glaube, dass eine mentale Verbundenheit, der Phantasie und Träume innewohnen, einer ständigen Erreichbarkeit entgegen steht.

Da wir fast alle diese Geräte haben, scheint es nicht normal, sie nicht zu benutzen, obwohl sie unsere Sinne wie Ahnung, Vorstellungsgabe und Phantasie einschränken. Ich denke, dass die Momente sich auf jemanden zu freuen, der wieder nach Hause kommt, intensiver sind, wenn man auf die Schritte im Treppenhaus achtet, die sich der eigenen Tür nähern. Wenn man dem Bauchgefühlt vertraut, dass es dem Anderen gutgeht oder sich mal wieder die Mühe macht, einen Brief zu schreiben, sich einfach Zeit nimmt und nicht alles sofort wissen muss.

Die Form der digitalen Bestätigung des echten Momentes ist hinzugekommen. So schreibt man heute nach einem netten Abend, „es war schön“, „lass uns das bald mal wieder machen“ und so weiter. Alles Dinge, die man sich vorher von Angesicht zu Angesicht sagen konnte und meist gesagt hat. Wenn sie im Nachhinein nicht mit dem Piepsen nochmal bestätigt werden, fangen wir an, an unserer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Die Liebe ist zu schön, als dass sie digitalen Algorithmen unterliegen sollte, ein Kuss zu echt, um ihn nochmal zu besprechen, ein Moment manchmal flüchtig und scheinbar ungesehen von dem Rest der Welt, bis für die Beiden, deren Wangen rot glühen an irgendeiner Straßenkreuzung.

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