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CITPELO: MASKE ZEIGEN ICH BIN WAS, WAS DU NICHT SIEHST

CITPELO: MASKE ZEIGEN ICH BIN WAS, WAS DU NICHT SIEHST

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Freitagabend mit der U8 unterwegs nach Kreuzberg. Die Stadt, die im Tageslicht Normalität und Strukturen von Sicherheit vorgaukelt, verliert in der Dunkelheit ihre Contenance. Menschen auf der Suche nach dem Freitagsglück, das Tor zum Wochenende geöffnet. Hoffnung und Absturz liegen nah beieinander. Die Restaurants und Bars in der Oranienstraße sind noch nicht voll, Kellner rauchen eine vor der Tür, schneiden Zitronen, Bierkisten scheppern, Eislieferanten liefern Tüten voller quadratischer Longdrink-Kühler. Taxifahrer nehmen sich die Vorfahrt. Drei Jungs essen einen Crepe mit doppelter Sahne auf Bierbänken in der Adalbertstraße. Aufregung liegt in ihren Blicken, die kindliche Freude am Zucker ist noch in ihren Gesichtern zu erkennen.

Fleischspieße drehen sich, gegrilltes Gemüse im Schaufenster. Ein Koch sitzt in einem Hinterzimmer und holt Luft, seine roten Hände ruhen auf den Knien.

Ich erinnere mich, als ich das erste Mal 1989 in Kreuzberg war. Meine Lippen geschminkt mit einem Stadtplan in der Hand und einer Zigarette im Mund. „Scheiß Touristen“ bekam ich zur Antwort, als ich nach dem Weg zum „Wiener Blut“ fragte und fühlte mich damals kurz vor den Kopf gestoßen. Heute muss ich darüber lächeln.

In der Galerie „ZeitZone“ eröffnet der Fotograf und Streetartkünstler CITPELO seine Ausstellung „Maske zeigen ich bin was, was du nicht siehst“. Ein kleiner Eckladen, Reggae- Musik läuft von den Platten, an der Bar stehen Leute bei einem Bier, Sofas im Raum, Farbkleckse auf den Fußbodenleisten, die Bilder teilweise mit Nägeln an der Wand befestigt.  Ich hole Luft und denke, ach Mensch Berlin, dich gibt es noch.

Auf den Fotos sind Frauen mit Masken zu sehen. Mal bedecken die Masken aus unterschiedlichen Materialien Mund oder Nase. Die Augen sehen lebendig aus, stechen aus der geometrischen Begrenzung hervor. Die Fotografien setzen in der direkten Betrachtung Emotionen frei. Die Frage, ob wir eingesperrt sind, stellt sich oder Tiere in einem Zoo vielleicht? Wer hat uns eine Maske aufgesetzt? Wer sind die Anderen? Die, die für alles verantwortlich sein sollen? Haben wir uns selber eine Maske aufgesetzt? Kokettieren wir damit? Wie fühlen wir uns, wenn wie sie abnehmen? Sind wir dabei allein?

Wie mit Klebeband getapt wirkt die Arbeit „Nonne“. (Titelbild) Weißes Band auf nackter Haut, Mascara mit kleinen Krümeln des Tages auf den Ringen der Augen. Ich erinnere mich an Natürlichkeit.

Ein Gewehr in der Hand, weiße Tüllröschen auf dem Rock, Perlen im Ohr, so die Frau auf der Fotografie „Revolution“ ähnlich dem Bild „Resistance“, wo sich die Frage stellt, ob die Protagonistin ihr Gegenüber oder das Spiegelbild bedroht?

Resistance 1940 gold © CITPELO

Ich frage CITPELO, einen jungenhaft wirkenden Mann, warum er es denn mir der „Resistance“ hat und er antwortet lachend: „Vielleicht, weil ich am 14. Juli geboren bin. Dazu noch in einem besetzten Haus.“ Er sei auch nicht wirklich ein Revoluzzer, aber irgendwie steckt das in einem drin.

Fotograf und Streetartkünstler CITPELO

Auf die Frage, warum er ausschließlich Frauen mit Masken fotografiert, sagt er, dass er noch keinen Mann gefunden hat, der sich so fotografieren ließ und dass wir alle eine Maske tragen würden.  Die fotografierten Frauen sind alles Freundinnen und Bekannte von ihm.

In das letzte Bild verliebe ich mich: „Warrior“. Es ist sehr düster, die Augen sind kaum zu erkennen, vielleicht ist gar keine Seele mehr da. Traurig wirkt die Frau, keine Frage, sie tut, was sie tun muss. Auf dem Kopf Blumen, fast wie ein Vögelchen wirkt der helle Fleck. Ich nenne es „Hope“.

 

CIPELO: MASKE ZEIGEN ICH BIN WAS, WAS DU NICHT SIEHST

GALERIE ZEITZONE

BIS ZUM 24.03.2017

Adalbertstraße 79

10997 Berlin-Kreuzberg

Finissage am 24.03.2017 /19.30- 23.00

 

1 Comments on “CITPELO: MASKE ZEIGEN ICH BIN WAS, WAS DU NICHT SIEHST

  • War auf der Ausstellung.einfach Klasse und spannend.sehr zu empfehlen !!!!Daumen hoch
    Leute guckt sie euch an ….Zeit ist ja noch….Bis 24.3.17

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