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Der klassische Blick oder einfach in die Ferne schauen?

Der klassische Blick oder einfach in die Ferne schauen?

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Ich habe eine Überreizung meiner Sehgewohnheiten festgestellt und körperliches Unbehagen beim Erhalten von Bildnachrichten über digitalen Kanäle als Referenz wirklichen Lebens. Vor kurzen habe ich eine Rezension über die zurzeit laufende Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“, im Frankfurter Städelmuseum in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Dort wurde unter anderem geschrieben, dass es das Großformat braucht: „um der Masse an dahin geworfenen kleinteiligen Fotos bleibende Bilder entgegenzusetzen, die Konzentration erzwingen.“

So präsentiert auch Mario Testino in der aktuellen Berliner Ausstellung „Undressed“ in der Helmut-Newton-Stiftung seine Arbeiten überdimensional an den Museums-Wänden. Vielleicht ist es als Hommage an den Mythos von Helmut Newton zu verstehen, dessen Bilder mit überlebensgroßen Amazonenfrauen im Entrée des Hausen zu sehen sind. Vielleicht ist es aber auch das „einfache Mittel“, um rezipierende Aufmerksamkeit zu generieren.

Kann es sein, dass überdimensionale Fotografie die gleichförmige Entwicklung durch die Überschwemmung von digitalen Bildern mit bedeutungslosem Inhalt unterstützt, weil sie den überreizten Sehgewohnheiten mit Entspannung entgegenkommt? Sie ermöglichen ein weites Sehen, ein Beruhigen der Augen, ähnlich der Abnahme einer Computerbrille und dem Blick in die Ferne. So können die großflächigen Abzüge auch als vergrößerter Ausschnitt der Welt, angepasst an digitales Konsumverhalten verstanden werden. Wenn die digitale Erlebniswelt des Einzelnen der manifestierte Dreh- und Angelpunkt ist, kann die Fotografie im legitimen Sinn der einfachen Rezeption nur größer sein, um als Überhöhtes Aufmerksamkeit zu generieren. Große Abzüge sind teuer, haben einen formativen Wert, sind weder aus Zeit- noch Kostengründen schnell und mehrfach reproduzierbar. Vielleicht wäre der „nicht einfache“ Weg Fotografien in Miniatur-Formaten, die erahnen lassen, dass es um die Suche gehen kann, wieder einen Schlüssel für Empfinden und Phantasie zu entdecken oder mit Nichts nach Hause zu gehen.

 

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